Die sechs Frauen Heinrichs VIII.: Katharina von Aragon

Katharina von Aragon, erste von sechs Frauen. Was immer mit König Heinrich VIII. in Verbindung gebracht werden wird, sind wohl auf ewig seine sechs Ehefrauen. Jede für sich faszinierende Persönlichkeiten, und doch jede im Schatten des überlebensgroßen Königs. Doch hier soll nicht seine, sondern ihre Geschichte erzählt werden. Von spanischer Prinzessin über deutsche Herzogstochter bis hin zu englischem Kleinadel – über jede von ihnen will ich erzählen.

 

Katharina von Aragon, Prinzessin Spaniens

Die 6 Frauen Heinrichs VIII.: Katharina von Aragon, Teil 1

Katharina von Aragon, Jahrgang 1485, war das jüngste Kind der berühmten „katholischen Könige“ Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien, die gemeinsam über Spanien herrschten. Als Sproß eines der mächtigsten europäischen Königshäuser war sie eine gute Partie.  Mit vier Jahren wurde sie bereits an den ein Jahr jüngeren Arthur Tudor, den ältesten Sohn Heinrichs VII. von England, versprochen. Wie es adeligen Töchtern zu jener Zeit bestimmt war, verließ Katharina also mit 16 ihr Heimatland, um in einem fremden Land einen vollkommen Fremden zu heiraten.

Das junge Paar wurde 1501 vermählt, und trotz ihres jungen Alters wurde beschlossen, sie sollten ihr eheliches Zusammenleben sofort beginnen – nicht unbedingt üblich zu jener Zeit. Doch nur fünf Monate nach der Hochzeit starb Arthur überraschend nach kurzer Krankheit. König Heinrich VII. wollte jedoch die Allianz mit Spanien nicht aufgeben. Deswegen wurde nun sein zweiter Sohn, der spätere Heinrich VIII., mit Katharina von Aragon verheiratet. Der Papst erteilte natürlich den gewünschten Dispens für Heinrichs Ehe mit der Frau seines Bruders. Und Katharina sowie ihre Eltern schworen, dass die Ehe zwischen Arthur und Katharina nicht vollzogen worden war.

Als dann jedoch Katharinas Mutter Isabella starb und Spanien im Chaos versank, verlor Katharina an Reiz als gute Partie. Die Hochzeit verzögerte sich immer wieder, und Katharina lebte unter ungewissen Umständen in England. Ihr Vater war zu sehr damit beschäftigt, die Kontrolle über Kastilien zu halten, als dass er sich um seine Tochter hätte kümmern können. Zudem behaupteten sowohl Katharinas Vater als auch ihr (zukünftiger) Schwiegervater, der jeweils andere sei verpflichtet, für die Kosten von Katharinas Unterhalt aufzukommen. Das Resultat war, dass die spanische Prinzessin Teile ihrer Mitgift verkaufen musste, um ihren Haushalt ernähren zu können. Sie bat ihren Vater, ihr entweder zu helfen oder sie zurück nach Spanien zu rufen, wo sie ihre wenigen verbleibenden Tage im Kloster verbringen könnte. So sprach eine Frau in ihren frühen Zwanzigern.

 

Königin

Als Heinrich VII. jedoch starb und sein Sohn als Heinrich VIII. den Thron bestieg, änderte sich alles. Der knapp 18-jährige König, der sein Leben lang getan hatte, was ihm gesagt wurde, war bestrebt, zu beweisen, dass er kein Kind mehr war und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Er bat Katharina von Aragon um ihre Hand und erlöste sie aus ihrem Dilemma. Das Paar heiratete am 11. Juli 1509.

Katharina wurde sogleich schwanger, und das Land, ohnehin verliebt in sein schönes, junges Königspaar, war begeistert. Doch im Januar 1510 erlitt Katharina eine Fehlgeburt. Sie konnte nicht wissen, wie fatal dieser Umstand ihr Leben schließlich verändern würde.

Doch wenige Monate später empfing Katharina erneut ein Kind, und am Neujahrstag 1511 schenkte sie einem Sohn, der nach seinem Vater Heinrich getauft wurde, das Leben. Wieder jubelte das Land, doch bereits nach 52 Tagen starb der Thronfolger. Katharina war am Boden zerstört.

Doch nach wie vor war das Paar einander sehr zugetan. Katharina war die perfekte Ehefrau und Königin, bestickte sogar eigenhändig sämtliche Hemden ihres Ehemannes. Als Heinrich in den Krieg gegen Frankreich zog, setzte er seine Frau als Regentin ein. Als der schottische König James IV. (Heinrichs Schwager) die Gelegenheit nutzte und in England einfiel, sandte Katharina ihm eine Armee entgegen, die die Schotten bei Flodden Field vernichtend schlug. Katharina schickte ihrem Mann daraufhin ein Zeichen ihres Triumphes nach Frankreich: Den blutbefleckten Mantel des in der Schlacht gefallenen Schottenkönigs.

 

Mutter

Noch bevor Heinrich nach England zurückkehrte, schrieb Katharina ihm von ihrer erneuten Schwangerschaft. Doch erneut war ihr kein Glück beschieden, denn ihr Sohn starb nur Stunden nach der Geburt. Im Sommer des darauffolgenden Jahres empfing sie erneut. Die Schwangerschaft verlief gut, und Katharina zog sich zum Jahreswechsel für die Geburt vom Hof zurück. Die Nachricht, dass ihr Vater gestorben war, enthielt man ihr vor, um die Geburt nicht zu gefährden. Am 18. Februar 1516 brachte Katharina ein gesundes Kind zur Welt – doch es war nicht der langersehnte Thronfolger, sondern ein Mädchen, das den Namen Mary erhielt.

Heinrich war enttäuscht, hoffte jedoch, dass nach der gesunden Tochter nun auch gesunde Söhne folgen würden. Doch es folgte 1517 lediglich eine weitere Fehlgeburt und eine weitere Totgeburt im darauffolgenden Jahr. Katharina empfing nie wieder. Nach beinahe einem Jahrzehnt voller Schwangerschaften, Totgeburten und Kindern, die noch in der Wiege starben, hatten die Jahre ihre Spuren in Katharinas Gesundheit und Aussehen hinterlassen.

Heinrich ließ alsbald seine Augen bei Hofe umherschweifen. Er hatte mindestens zwei Affären mit den Hofdamen Elizabeth Blount und Mary Boleyn, der älteren Schwester von Anne Boleyn. Katharina verschloss ihre Augen, wie es von einer Frau ihrer Stellung erwartet wurde. Ihre Demütigung erreichte den Höhepunkt, als Elizabeth Blount Heinrich einen Sohn schenkte, den der König sogar als seinen Sohn anerkannte und mit Titeln bedachte.

Katharina von Aragon widmete sich nun mit aller Kraft ihrer einzig überlebenden Tochter Mary und ihrer Erziehung als zukünftige Königin – auch wenn nie zuvor eine Frau über England geherrscht hatte. Heinrich sorgte sich, dass die blutigen Tage der Rosenkriege zurückkämen, hinterließe er keinen männlichen Erben. Und schließlich wurde er auf eine Bibelstelle aufmerksam gemacht, die dem Mann, der die Frau seines Bruders zur Frau nahm, Kinderlosigkeit vorhersagte. Da eine Tochter in Heinrichs Augen so gut wie kein Kind war, war er offen für Ideen seines engsten Berater Thomas Wolsey. Dieser wollte eine Allianz mit Frankreich fördern und Heinrich überreden, eine französische Prinzessin zur Frau zu nehmen. Heinrich hatte jedoch eigene Pläne, in Form der Hofdame Anne Boleyn, die sich weigerte, Heinrichs Geliebte zu werden, sondern darauf bestand, nur das Bett mit ihm zu teilen, wenn er sie zur Frau nähme.

 

Angeklagte

Man beraumte eine Untersuchung der Legalität der königlichen Ehe an, für Katharina eine schreckliche Neuigkeit. Immerhin würde dies bedeuten, sie hätte mit Heinrich fast 20 Jahre lang als seine Mätresse zusammengelebt, und ihre Tochter Mary sei ein Bastard. Katharina war entschlossen, dies nicht zuzulassen und wandte sich an Kaiser Karl V., der nicht nur König von Spanien, sondern auch ihr Neffe war. Karl setzte seinerseits den Papst unter Druck, diese Annulierung, um die Heinrich ihn ersuchte, nicht zuzulassen. Das englische Volk zudem liebte seine Königin und hasste Anne Boleyn, die „große Hure“.

Der päpstliche Gesandte Campeggio, der schließlich nach England gesandt wurde, versuchte, das ganze Dilemma auf Katharinas Kosten zu lösen. Er versuchte, die tiefreligiöse Katharina zu überreden, in ein Kloster einzutreten und ihren Ehemann freizugeben. Katharina lehnte ab. Es kam so zum Prozess in England, bei demKatharina von Aragon als Königin von England Katharinas denkwürdige Handlung darin bestand, sich vor Heinrich auf den Boden zu werfen und ihn zu fragen, wie sie ihn beleidigt habe, und ihn zu bitten, ihr diesen Prozess zu ersparen. Anschließend verliess sie trotz mehrfacher Rufe den Saal und kehrte nicht zurück. Der Prozess wurde ohne sie fortgesetzt und verstrickte sich in Wolseys Bemühungen, den König die gewünschte Annulierung zu verschaffen, und Campeggios Bemühen, möglichst viel Zeit zu schinden. Schließlich vertagte Campeggio den Prozess und berief ihn schließlich zurück nach Rom.

Heinrich, nie gut darin, nicht seinen Willen zu bekommen, war außer sich vor Wut. Die Jahre waren ins Land gestrichen, und Anne Boleyn, die ja nun endlich den Thronfolger gebären sollte, wurde nicht jünger. 1532 gab sie schließlich Heinrichs Drängen nach und teilte das Bett mit ihm. Prompt wurde sie schwanger. Nun hatte Heinrich keine Zeit mehr zu verlieren, wollte er, dass dieses Kind ehelich geboren wird.

Im Januar 1533 heirateten Heinrich und Anne heimlich. Heinrich hatte nun zwei Ehefrauen und beauftragte den Erzbischof von Canterbury, den Luther-Sympathisanten Thomas Cranmer, seine Scheidung über die Bühne zu bringen. Natürlich fiel die Entscheidung im Sinne des Königs, und Cranmer erklärte die Ehe zu Katharina von Aragon im Mai 1533 für ungültig. Anne wurde nur Tage später zur Königin von England gekrönt.

Weder der Papst noch Katharina erkannten die Rechtmäßigkeit dieses Schrittes an. Heinrich trieb daraufhin die Abspaltung von der katholischen Kirche und die Gründung der anglikanischen Kirche mit ihm selbst als Oberhaupt voran, die bis zum heutigen Tag die englische Staatskirche ist.

 

Ausgestoßene

Heinrich verbannte Katharina vom Hof und reduzierte ihr Titel offiziell von „Königin“ auf „Prinzessinwitwe“, nämlich Arthurs Witwe. Doch Katharina weigerte sich bis zum Ende ihres Lebens, sich anders als als Königin und Heinrichs Frau zu bezeichnen. Sie wurde in abgelegene Schlösser verbannt und von ihrer geliebten und nun zum Bastard erklärten Tochter getrennt, sogar, als diese schwerkrank wurde. Heinrich hoffte, dass er Katharina so zum Einwilligen in die Scheidung zwingen könnte, doch er hoffte vergeblich. 1536, zwei Jahre, nachdem die ersten Gerüchte, es krisele bereits zwischen Heinrich und Anne, kursiert waren, starb Katharina, vermutlich an einem Krebsgeschwür am Herzen. Ihre Tochter hatte sie nicht wiedergesehen, und selbst der Besuch der Beerdigung ihrer Mutter wurde Mary verweigert.

Mary I. Antonis Mor [Public domain], via Wikimedia CommonsMary selbst hat das Schicksal ihrer Mutter weder ihrem Vater noch seiner „Konkubine“ Anne Boleyn oder deren Tochter Elizabeth je verziehen. Während Heinrichs dritter Ehe zwang man Mary schließlich, die Illegalität von Katharinas Ehe anzuerkennen. Sie wurde zu einer tief verbitterten Frau, die, nach dem Tod ihres weitaus jüngeren Bruders Edward, 1553 den Thron bestieg. Sie heiratete einen Mann, der sie nicht liebte und fürchtete permanent, ihre Halbschwester würde Verschwörungen gegen sie anzetteln. Und sie wurde dadurch „berühmt“, in nur fünf Jahren 300 Protestanten auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Katharinas geliebtes Kind wurde „Bloody Mary“.

 

Katharina von Aragon: Heldin oder Opfer?

Was kann man zusammengefasst über Katharina sagen? Sie wuchs in einer Zeit auf, in der die katholische Kirche alternativlos war. Sie entstammte dem Königspaar, das die Inquisition einführte und die 700 Jahre alte Vorherrschaft der Mauren auf der iberischen Halbinsel brach. Dass sie nicht dem Papst entsagte, sich selbst nicht als Hure und ihre Tochter nicht als Bastard bezeichnete, hätte Heinrich eigentlich nicht überraschen sollen. Trotz aller Widrigkeiten, der Degradierung, der Trennung von ihrer Tochter wich sie nicht davon ab, was sie für richtig hielt.

Die spannende Frage ist und bleibt: was hätte sich in Europas Geschichte verändert, wäre ihr Leben anders verlaufen? Hätte nur einer ihrer Söhne überlebt, hätte Heinrich sie kaum verstoßen können. Hätte sie den einfachen Weg genommen und hätte den Weg für Heinrichs zweite Ehe freigemacht, hätte Heinrich die Loslösung von Rom nicht vorantreiben müssen. Schließlich war Heinrich immer ein treuer Diener des Papstes gewesen. Er hatte von diesem sogar den Titel „Verteidiger des Glaubens“ für seine Schrift gegen Luther erhalten. Dennoch hätte sich die Reformation nicht in Luft aufgelöst, und diese Entwicklung war sicher nicht allein von Katharina von Aragon abhängig.

Oftmals wird unterschätzt, dass Heinrich Katharina aus Liebe heiratete und ihr auch lange in Liebe ergeben war. Immerhin war Heinrich länger mit Katharina von Aragon verheiratet als mit seinen anderen fünf Frauen zusammen. Das wilde Ehekarussel begann sich erst zu drehen, nachdem er seine spanische Prinzessin verstoßen hatte.

Die sechs Frauen Heinrichs VIII.:

Anne Boleyn

Jane Seymour

Anna von Kleve

Katherine Howard

Catherine Parr

 

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.