Die Tudorzeit endete vor über 400 Jahren mit dem Tod Elizabeths I. Aber bis heute sind die Spuren dieser Dynastie erhalten, in Geschichte und Kunst, aber auch in Architektur, Ruhestätten und Orten, an denen sich die bedeutenden Momente der Tudors ereigneten. Viele davon befinden sich in der britischen Hauptstadt, darum gebe ich Dir heute die besten London-Tipps, wenn Du die Metropole auf den Spuren der Tudors erkunden willst.

 

Nachruf auf die verschwundenen Tudorpaläste

Leider sind viele Paläste, die zur Tudorzeit von großer Bedeutung waren, inzwischen verschwunden. So z. B. der Palace of Placentia, Geburtsort von Heinrich VIII., Mary I. und Elizabeth I., der unter Charles II. jedoch abgerissen wurde und an dessen Stelle heute das Old Royal Naval College in Greenwich steht. Oder der Palace of Whitehall, in dem Heinrich erst sowohl Anne Boleyn als auch Jane Seymour heiratete und schließlich verstarb. Der Palast fiel einem Feuer zum Opfer, nur das Banqueting House blieb erhalten. Heute befindet sich auf dem weitläufigen der britische Regierungssitz, u. a. die berühmte Downing Street No. 10.

Die Geschichte eines verschwundenen Tudor-Palastes, die mich am meisten aufregt, ist die Geschichte von Nonsuch Palace. Der Prestige-Prunkbau Heinrichs VIII., mit dem er die prachtvollen Schlössern seines Konkurrenten Franz I. von Frankreich übertreffen wollte. Der Bau des Palastes kostete (nach heutiger Kaufkraft) mehr als 100 Mio. Pfund und bekam seinen Namen, da er „keinem gleich“ war. Doch im darauffolgenden Jahrhundert schenkte der Stuartkönig Charles II. den Palast seiner Mätresse Barbara Villiers. Diese ließ Nonsuch Palace Stück für Stück abreißen und verkaufen, um ihre Spielschulden zu tilgen…

Nun, genug von dem, was wir leider nicht mehr ansehen können und hin zu dem, was wir noch heute bewundern können!

 

London-Tipps für Tudor-Sightseeing

Westminster Abbey

London-Tipps für Geschichtsfans: Auf den Spuren der Tudors

Die berühmte Kirche, in der vieles begann und auch endete. Unter anderem wurde hier auch der Grundstein für die Tudordynastie gelegt, denn hier heirateten am 18.01.1486 Heinrich VII. und Elizabeth of York, die Eltern Heinrichs VIII. Und alle Monarchen seit Wilhelm dem Eroberer wurden in der Abbey gekrönt.

Noch beeindruckender ist die lange Liste an Tudor-Grabstätten, die Du in der Westminster Abbey besichtigen kannst: Heinrich VII., seine Frau Elizabeth of York und seine Mutter Margaret Beaufort, zwei jung verstorbene Geschwister Heinrichs VIII., Elizabeth und Edmund, Anna von Kleve, vierte Frau Heinrichs VIII., Heinrichs drei Kinder Edward VI., Mary I. und Elizabeth I., sein jung verstorbener Sohn Henry sowie seine Großnichte Mary Stuart.

In der erst 2018 eröffneten „The Queen’s Diamond Jubilee Galleries“ wird das Abbild ausgestellt, das anläßlich der Beisetzung Heinrichs VII. angefertigt wurde.

 

 

Hampton Court Palace

London-Tipps für Geschichtsfans: Auf den Spuren der Tudors

Wo Heinrich VIII. lebte und liebte – der Palast an der Themse ist DER Tudorpalast schlechthin und ein Muss für jeden Tudorfan. Hier kam Heinrichs einziger Sohn Edward zur Welt, hier starb seine dritte Ehefrau Jane Seymour und hier soll seine fünfte Frau Katherine Howard noch immer herumspuken. Kostümierte Reenactor erwecken den Hof der Tudorzeit wieder zum Leben, und Du kannst sogar dem König höchstpersönlich begegnen.

Geheimtipp: In einem Holzpaneel der Großen Halle findest Du eine Schnitzerei, die übersehen wurde, als man nach Anne Boleyns Hinrichtung versuchte, ihre Spuren zu beseitigen: Ihre und Heinrichs verschlungene Anfangsbuchstaben. Und an der Decke der Great Watching Chamber findest Du in der goldenen Verzierung das Wappen Jane Seymours, den Phoenix.

 

 

Tower of London

Tower of London

Klar darf die normannische Feste im Herzen Londons in dieser Liste nicht fehlen. Denn unter den Tudors wandelte sich der Tower von einer königlichen Residenz zu einem Ort blutiger Geschichte.

Bis 1503 residierten die englischen Könige im Tower, wenn sie in London weilten. Doch im gleichen Jahr brachte Elizabeth of York im Tower ihr achtes Kind zur Welt und starb wenig später am Kindbettfieber. Und auch ihr Kind starb. Heinrich VII. war untröstlich und gab den Tower – verständlicherweise – als Residenz auf. Anschließend verbrachten die zukünftigen Monarchen wie Heinrich VIII. und Elizabeth I. nur noch die Nacht vor ihrer Krönung im Tower.

Was den berüchtgten Ruf des Towers endgültig zementierte: Hier fanden zwei Königinnen Heinrichs VIII. den Tod auf dem Schafott. Anne Boleyn und Katherine Howard starben beide auf dem Tower Green innerhalb der Mauern des Tower und wurde in der Tower-Kapelle St. Peter ad vincula beigesetzt. Anne Boleyns Geist soll dort bis heute umgehen.

In der Ausstellung im White Tower kannst Du außerdem mehrere Rüstungen Heinrichs VIII. besichtigen – und dabei nachvollziehen, wie umfangreich der König mit den Jahren wurde.

 

 

Tower Hill

Nordwestlich des Towers befindet sich das Areal, auf der zu Zeiten der Tudors die meisten hochrangigen Hinrichtungen stattfanden: Tower Hill. Tatsächlich waren Hinrichtungen innerhalb des Towers die absolute Ausnahme, und nur sechs Hinrichtungen fanden dort zur Tudorzeit statt. Die meisten Adligen wurden auf Tower Hill dem Henker übergeben.

Auf dem damaligen Hinrichtungsplatz ließen u. a. John Fisher und Thomas More ihr Leben, weil sie die Loslösung Englands von der katholischen Kirche nicht unterstützen wollten. Auch Anne Boleyns Bruder und angeblicher Liebhaber George Boleyn sowie der ehemalige Minister Heinrichs VIII., Thomas Cromwell, wurden dort hingerichtet. Der junge Edward VI. überantwortete dort seine beiden Onkel, die ehrgeizigen Brüder Edward und Thomas Seymour, dem Scharfrichter.

Der Ort, an dem die Hinrichtungen stattfanden, ist ausgewiesen, und die Namen vieler, die dort starben, sind auf Tafeln aufgelistet.

 

Windsor Castle

London-Tipps für Geschichtsfans: Auf den Spuren der Tudors

Das älteste, bewohnte Schloss der Welt beherbergt bis heute die königliche Familie, und seine Geschichte geht zurück bis zu Wilhelm dem Eroberer. Unter den Tudors wurde Windsor endgültig von einer Festung zu einem Palast, ohne jedoch seine Sicherheit aufzugeben: Elizabeth I. verbrachte viel Zeit auf Windsor und hielt sich dort auch gerade in angespannten Zeiten auf.

In der St. George’s Chapel liegt Heinrich VIII. begraben, gleich neben seiner dritten Königin Jane Seymour. Auch Heinrichs Großeltern Edward IV, von dem Heinrich sein gutes Aussehen gerade in jungen Jahren geerbt haben soll, und Elizabeth Woodville ruhen dort. Ebenfalls fand sein guter Freund Charles Brandon, Duke of Suffolk, dort seine letzte Ruhe.

Das Erkerfenster im Chorraum wurde von Heinrich VIII. für seine erste Frau Katharina von Aragon gebaut. Seine letzte Frau, Catherine Parr, beobachtete von dort aus die Beisetzung ihres Ehemannes.

 

 

National Portrait Gallery

London-Tipps für Geschichtsfans: Auf den Spuren der Tudors

Willst Du nun den Tudor-Persönlichkeiten, deren Fußstapfen Du gefolgt bist, von Auge zu Auge gegenübertreten? Dann auf zum St. Martin’s Place (nahe Trafalgar Square) und hinein in die National Portrait Gallery. Denn wie der Name schon sagt, hat sich diese Kunstgalerie dem Porträt durch die Jahrhunderte verschrieben.

Zu Beginn der Tudorzeit war Porträtmalerei in England gerade populär geworden, und zum ersten Mal in der Geschichte hielt man lebensnahe Bildnisse, die nahe an der Realität waren, auf Leinwand fest. Darum können wir heute nachvollziehen, wie die Persönlichkeiten der Tudorzeit ausgesehen haben, und viele dieser Bildnisse kannst Du in der Tudor-Abteilung der National Portrait Gallery betrachten. Von Heinrich VII. und seinem Rivalen Richard III., seinem Sohn Heinrich VIII., dessen Berater Thomas More und Thomas Cromwell, seine Königinnen Anne Boleyn und Catherine Parr über dessen Kinder Mary I. und Elizabeth I. bis zu deren Rivalin Mary Stuart – beschäftigst Du Dich schon etwas länger mit den Tudors, wirst Du viele berühmte Gemälde wiedererkennen.

Hier kannst Du Dir eine 360°-Ansicht der Tudor Galleries ansehen.

Der Eintritt in die National Portrait Gallery ist kostenlos.


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