Am 19. September wird Königin Elizabeth II. in der St George’s Chapel in Windsor Castle beigesetzt. Die Queen, die über 70 Jahre regierte, ist am 08. September im Alter von 96 Jahren verstorben.

Damit überlebte sie ihren Ehemann Prinz Philip, Duke of Edinburgh um fast genau 17 Monate. Prinz Philip starb am 09. April 2021 im Alter von 99 Jahren und wurde ebenfalls in der St George’s Chapel zur ewigen Ruhe gebettet. Aus aktuellem Anlass habe ich darum den Artikel, den ich anlässlich der Beisetzung von Prinz Philip verfasst habe, überarbeitet.

Als Kapelle eines der bedeutendsten Schlösser der Königsfamilie, dem sie sogar ihren Familiennamen verdankt, kommt der St. George’s Chapel eine besondere Bedeutung zu. Doch nicht erst, seit die Windsors das Land regieren, ist die Kapelle voller Geschichte und großer Namen. Darum nehme ich Dich heute mit auf einen Rundgang durch die St George’s Chapel und zeige Dir, wo Elizabeth und Philip ihre gemeinsame, letzte Ruhestätte finden werden.

St George’s Chapel: Was Du über Prinz Philips Ruhestätte wissen solltest

Geschichte der Kapelle

Der Vorgänger der heutigen Kapelle wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet und war – wie damals viele heilige Orte – dem angelsächsischen König und Heiligen Edward the Confessor geweiht. Immerhin ist das angeschlossene Windsor Castle – oder zumindest sein Vorgänger – auch bereits zu Zeiten von Wilhelm dem Eroberer im 11. Jahrundert gebaut worden. Königliche Geschichte geht auf diesem Grundstück also schon fast 1000 Jahre zurück.

Der Ritterkönig Edward III., der in Windsor Castle geboren wurde, stiftete 1348 das Kollegiatsstift St George in Windsor Castle und ließ die daran angeschlossene Kapelle erweitern und dem heiligen Georg, dem Nationalheiligen Englands, weihen. Edward IV. gab die heutige Kapelle 1475 in Auftrag, und unter Heinrich VIII. wurde sie 1528 vollendet. Seit ihrer Zeit fanden bedeutende Ereignisse in der St George’s Chapel statt, und viele Mitglieder der königlichen Familie von hohem Rang wurden dort zu Grabe getragen.

 

St George’s Chapel: Gräber

Henry VIII’s Tomb by AloeVera95 under CC BY-SA 4.0

Das Verzeichnis der Gräber in der St George’s Chapel liest sich wie ein Who-is-Who der britischen royalen Geschichte.

Heinrich VIII. und seine dritte Frau Jane Seymour liegen in einer Gruft unter dem Chor der Kapelle, unter einer schlichten Marmorplatte, die 1837 unter William IV. dort platziert wurde. Ursprünglich hatte Heinrich VIII. geplant, in einem aufwendigen Monument bestattet zu werden. Einen Teil davon, einen Sarkophag aus schwarzem Marmor, hatte eigentlich sein in Ungnade gefallener Kanzler Tomas Wolsey für sich anfertigen lassen. Doch Heinrich sicherte den Sarkophag für sich, konnte jedoch auch nicht darin ruhen, da sein Monument bei seinem Tod noch nicht fertiggestellt war. Kurioser Fakt: Schlussendlich fand dieser Sarkophag im Jahr 1805 Verwendung für Lord Horatio Nelson und steht heute in der St. Paul’s Cathedral in London.

Jane wiederum liegt nicht vollständig in der St George’s Chapel, denn ihr Herz und ihre inneren Organe liegen in Hampton Court Palace, wo sie ihrem Sohn das Leben schenkte und bald darauf starb. Kein sonderlich unübliches Vorgehen zu einer Zeit, wo ein Körper noch eine gewisse Zeit aufgebahrt wurde.

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Ihre Gruft teilen sich Heinrich und Jane mit König Charles I., der nach dem englischen Bürgerkrieg hingerichtet wurde. Außerdem steht in dieser Gruft ein winziger Sarg, der die sterblichen Überreste eins der zahlreichen tot geborenen oder kurz nach der Geburt verstorbenen Kinder von Königin Anne beinhaltet. Die letzte Königin aus dem Haus Stuart hatte ein besonders tragisches Leben in dieser Hinsicht: Aus 17 Schwangerschaften überlebte nur ein einziges Kind das Kleinkinderalter – und starb mit 11 Jahren.

Blick in die Gruft Heinrichs VIII. nach einer Skizze von 1888, mit Heinrichs beschädigtem Sarg in der Mitte, Jane Seymours Sarg rechts und dem Sarg von Charles I. links, mit dem kleinen Sarg von Königin Annes Kind darauf.

Ebenfalls unter dem Boden des Chorraums befindet sich das königliche Grabgewölbe, die Royal Vault, die im frühen 19. Jahrhundert unter George III. errichtet wurde. Seitdem wurden dort mehr als 20 Mitglieder der königlichen Familie bestattet, wie z. B. Ehefrau und mehrere Kinder von George III., der König selbst, seine Söhne George IV. und William IV., seine tragisch jung gestorbene Enkelin Charlotte sowie ihr totgeborenes Kind. Auch Prinz Philip wurde hier beigesetzt, wird aber am 19. September nach der Beisetzung seiner Frau umgebettet, um an der Seite seiner Frau zu ruhen.

Es gibt aus naheliegenden Gründen nur sehr wenige Bilder der Royal Vault, und keine aus der jüngeren Vergangenheit. In diesem Video kannst Du einige ältere Aufnahmen sehen und mehr über die Royal Vault erfahren:


St George’s Chapel: Was Du über Prinz Philips Ruhestätte wissen solltest

Einer der Stifter der Kapelle fand dort auch seine letzte Ruhestätte: Edward IV., der große Streiter der Rosenkriege. Er liegt links neben dem Altar, zusammen mit seiner Frau Elizabeth Woodville. Hier findet sich ein Mysterium: Als Arbeiter im Jahr 1789 versehentlich die Gruft von Edward und Elizabeth öffneten, entdeckten sie dort eine kleine, angrenzende Gruft mit zwei Kindersärgen. Es wurde angenommen, dass dies George und Mary Plantagenet seien, zwei früh verstorbene Kinder des Paares. Ihre Namen wurden auf dem Grabmal angebracht und die Gruft versiegelt. Doch bei den Arbeiten zur Errichtung der Royal Vault etwa 15 Jahre später fanden sich zwei Bleisärge an, die mit den Namen von Mary und George Plantagenet beschriftet waren. Man verbrachte sie einfach in die Gruft ihrer Eltern, ohne zu versuchen, herauszufinden, was es mit den beiden Kindersärgen, die dort bereits standen, auf sich hatte. Seitdem vermuten einige, es handele sich bei den nicht identifizierten Kindern um die verschwundenen Prinzen im Tower, Edward und Richard.

Tomb of King Edward IV by VCR Giulio19 under CC BY-SA 4.0

Auf der anderen Seite des Altars ruht der Widersacher Edwards IV. , Heinrich VI., ebenso wie Edward VII. und seine Frau Alexandra von Dänemark.

Außerdem sind George V. und seine Frau Mary von Teck, die Großeltern von Elizabeth II., sowie Charles Brandon, enger Freund Heinrichs VIII. in der Kapelle bestattet.

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Castell de Windsor – Capella de Sant Jordi by Josep Renalias under CC BY-SA 3.0

King George VI. Memorial Chapel

Die Kapelle wurde 1962 von Königin Elizabeth II. in Auftrag gegeben, um eine Ruhestätte für ihren Vater George VI. zu schaffen. Sie beauftragte die Architekten, die Kapelle so zu gestalten, dass sie die sterblichen Überreste von drei Monarchen und ihren Partner*innen aufnehmen konnte.  Georges Tod kam unerwartet, und vor seinem Tod war keine besondere Ruhestätte für ihn bestimmt worden. Darum war er zunächst in der Royal Vault beigesetzt worden. Da in der St George’s Chapel kein Platz für ein weiteres Grabgewölbe vorhanden war, wurde eine Lösung durch den Bau einer zusätzlichen Chantry-Kapelle an der Außenseite der Kapelle gefunden. Dies war die erste Erweiterung der St George’s Chapel seit 1504.

George VI. wurde 1969 in die Kapelle umgebettet. Die Asche von Georges jüngster Tochter, Prinzessin Margaret, wurde am 15. Februar 2002 zuerst in der königlichen Gruft der St. George’s Chapel beigesetzt. Margaret war das erste Mitglied der Royal Family seit Prinzessin Louise, Tochter von Königin Victoria, 1939, die eingeäschert wurde. Margaret wurde eingeäschert, um sicherzustellen, dass ihre sterblichen Überreste in der kleinen Kapelle untergebracht werden konnten. Ihre Mutter, “Queen Mum”, wurde am 9. April 2002 in der Kapelle beigesetzt. Margarets Asche wurde zur gleichen Zeit in der Gruft ihrer Eltern beigesetzt.

Elizabeth II. soll am 19. September 2022 nach ihrem Staatsbegräbnis in der Westminster Abbey in der Kapelle beigesetzt werden. Prinz Philip wird am selben Tag in die Kapelle umgebettet.

 

Der Hosenbandorden

Mantel und Hut der Ordenstracht by Nicholas Jackson under CC BY-SA 3.0

Der Hosenbandorden ist der höchste Ritterorden des Vereinigten Königreichs und seit seiner Gründung im Jahr 1348, ebenfalls durch Edward III., eng mit der St George’s Chapel verbunden. Der Chor der Kapelle legt Zeugnis über die lange Geschichte des Hosenbandordens ab. Dort hängen die Banner der aktuellen Mitglieder sowie die Wappenschilde von über 700 früheren Mitgliedern.

Das Motto des Hosenbandordens lautet “Honi soit qui mal y pense” (“Ein Schelm, der Böses dabei denkt”), ein Ausruf, der in Verbindung mit einer der zahlreichen Gründungslegenden des Ordens stehen soll. Oft ging es in diesen Legenden um ein verlorenes Strumpfband der Mätresse Edwards III.

Mitglieder des Ordens sind der Monarch, der Thronfolger sowie maximal 24 Ritter. Die Aufnahme stand von Anfang an sowohl Männern als auch Frauen offen, doch erst seit 1987 sind Frauen im Hosenbandorden gleichberechtigte Mitglieder. Einer der Ritter ist der Usher of the Black Rod, der den Monarchen traditionell zur Parlamentseröffnung begleitet und dort die Aufgabe hat, die Mitglieder des House of Commons in den Saal des House of Lords zu rufen, um die Rede des Monarchen zu hören. Derzeit hält zum ersten Mal eine Frau dieses Amt.

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Mitglieder des Königshauses sowie ausländische Ordensmitglieder sind in der Zahl 24 nicht miteingeschlossen. So sind alle Kinder der Königin sowie Prinz William und einige weitere Verwandte Mitglieder des Ordens. Prinz William war 2008 als 1000. Mitglied aufgenommen worden.

Unter den ausländischen Mitgliedern finden sich die Monarchen von Dänemark, Schweden, Norwegen, Spanien, den Niederlanden und Japan.

Unter den Mitgliedern vergangener Jahrhunderte finden sich prominente Namen wie John of Gaunt (Begründer des Hauses Lancaster), Richard Neville, Earl of Warwick (der sogenannte “Königsmacher” zu Zeiten der Rosenkriege), Margaret Beaufort (Mutter Heinrichs VII.), Arthur Tudor (Sohn Heinrichs VII.), Thomas Boleyn (Vater von Anne Boleyn), Henry Fitzroy (unehelicher Sohn Heinrichs VIII.), Thomas Cromwell (enger Berater Heinrichs VIII.), Robert Dudley (Vertrauter Elizabeths I.), William Cecil (Staatssekretär Elizabeths I.) oder Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (Ehemann von Königin Viktoria).

Im Juni findet jedes Jahr der Garter Day statt, an dem sich die Ordensritter in Windsor Castle treffen und gemeinsam den Gottesdienst besuchen. Dabei werden auch neue Ordensmitglieder aufgenommen, ein Vorgang, den weder Publikum noch Presse beobachten dürfen.

 

Königliche Hochzeiten

St George’s Chapel ist neben einem Ort voller Geschichte auch immer noch ein Gotteshaus. Wenn die Königin auf Windsor weilt, besucht sie dort den Gottesdienst. Seit der viktorianischen Zeit haben in der Kapelle zahlreiche königliche Hochzeiten stattgefunden. Die Kinder von Königin Victoria und Prinz Albert traten hier in den Stand der Ehe, darunter auch der spätere König Edward VII., der seiner Mutter 1901 auf den Thron folgte.

2005 heiratete Prinz Charles seine Ehefrau Camilla standesamtlich, doch das Paar empfing in der St George’s Chapel den kirchlichen Segen. Warum keine kirchliche Trauung? Erst drei Jahre zuvor erlaubte die anglikanische Kirche zum ersten Mal Geschiedenen die erneute Heirat, und Camillas Ex ist noch am Leben – man wollte wohl zuviel Aufsehen vermeiden.

Auch die jüngeren Royals, die eher weiter entfernt vom Thron sind, wurden in der Kapelle vermählt. So z. B. Prinz Edward, der jüngste Sohn der Queen, mit Sophie Rhys-Jones 1999, Peter Philips, Sohn von Prinzessin Anne, mit Autumn Kelly 2008 und erst unlängst Prinzessin Eugenie, Tochter von Prinz Andrew, mit Jack Brooksbank 2018.

Die prominenteste Eheschließung in St George’s Chapel der jüngeren Vergangenheit war die zwischen Prinz Harry und der US-Amerikanerin Meghan Markle, die mit so einigen Traditionen brach. Harry wurde auch in der Kapelle getauft.

 

So kannst Du St George’s Chapel besuchen

Besucher von Windsor Castle können St George’s Chapel zu bestimmten Zeiten für Touren und auch für Gottesdienste besuchen. Aufgrund der aktuellen Situation ist es ratsam, die aktuellen Öffnungszeiten zu überprüfen.

Adresse:

Windsor SL4 1NJ, Vereinigtes Königreich

 

 

 

 

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