Prinz Philip: Prinzgemahl, Rebell, Unikat
Windsors

Prinz Philip: Prinzgemahl, Rebell, Unikat


Es kam nicht gänzlich unerwartet, aber dennoch hat mich heute die Nachricht vom Tod von Prinz Philip getroffen.

Über 73 Jahre lang war der Sohn eines griechischen Prinzen und einer deutschen Prinzessin der Fels in der Brandung an der Seite von Königin Elizabeth II. Der am längsten dienende Prinzgemahl der Welt, das Alphamännchen in der zweiten Reihe, ein royaler Rebell und der vielleicht meistunterschätzte Mann des Vereinigten Königreichs.

Am 17.04. wird Prinz Philip in der St George’s Chapel in Windsor Castle beigesetzt.

Ich will mir ansehen, welcher Weg Prinz Philip an die Seite der Königin von England führte und wer diese respekteinflößende Persönlichkeit wirklich war.

Prinz Philip: Prinzgemahl, Rebell, Unikat

Jugend im Chaos

Die Kindheit von Prinz Philip verlief alles andere als harmonisch. Er wurde am 10. Juni 1921 auf der griechischen Insel Korfu als jüngstes von vier Kindern und einziger Sohn geboren. Die Villa Mon Repos, in der die Familie wohnte, war nicht allzu praktisch ausgestattet, daher kam Prinz Philip auf einem Esstisch zur Welt.

Seine Mutter war Prinzessin Alice von Battenberg, sein Vater, Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark, war Bruder des griechischen Königs Konstantin I., der durch einen Staatsstreich 1922 entmachtet wurde. Nur 18 Monate nach Philips Geburt musste seine Familie ins Exil fliehen. Den jungen Prinzen transportierte man in einer umfunktionierten Orangenkiste.

Im Exil zerfiel die Ehe seiner Eltern, und Prinz Andreas verließ seine Frau und lebte in Monaco mit seiner Geliebten. Prinzessin Alice und ihre vier Kinder waren auf die Unterstützung von Verwandten angewiesen, und der Geisteszustand von Philips Mutter verschlechterte sich. Sigmund Freud diagnostizierte bei Alice von Battenberg Schizophrenie. Auf Betreiben ihres Bruders Louis Mountbatten wurde sie 1930 in ein Sanatorium eingewiesen.

Philips Schwestern (die jüngste war sieben Jahre älter als er) konnten sich um sich selbst kümmern und heirateten alle bald deutsche Adelige. Sein Vater weigerte sich jedoch, sich um den erst neunjährigen Prinz Philip zu kümmern, also lebte Philip vorerst bei verschiedenen Verwandten in Deutschland. Ab 1934 besuchte er das schottische Internat Gordonstoun, danach begann er ab 1939 auf dem Royal Naval College seine Militärlaufbahn.

 

Junge Liebe

Im gleichen Jahr besuchte König George VI. mit seiner Familie das Royal Naval College. Philips Onkel Louis Mountbatten beauftragte Philip, die Prinzessinnen Elizabeth und Margaret während des Besuchs zu eskortieren.

Ob es Zufall oder geschickter Schachzug des ehrgeizigen Mountbatten war, seinen schneidigen Neffen in Kontakt mit der zukünftigen Königin zu bringen – es funktionierte. Die 13-jährige Prinzessin Elizabeth verlor ihr Herz an den Prinzen in Marineuniform. Als Philip wenig später in den Krieg zog, schrieb sie ihm zahllose Briefe, und auch nach dem Krieg blieben sie einander verbunden.

George VI., Elizabeths Vater, war erst nicht allzu überzeugt von einer Ehe seiner Erstgeborenen mit dem deutschstämmigen Philip so kurz nach Kriegsende. Doch als Philip ihn im Sommer 1946 um Erlaubnis bat, seine Tochter zu heiraten, gestattete er die Ehe, unter Bedingung, dass die Verlobung erst nach Elizabeths 21. Geburtstag im April 1947 bekannt gegeben werden würde.

Philip gab seine griechischen und dänischen Adelstitel auf und wurde britischer Staatsbürger. Zudem nahm er den Nachnamen Mountbatten an, die englische Variante des Namens Battenberg.

Die Geschichte hinter diesem Namen: Als 1917 George V. den Familiennamen der Königsfamilie von dem deutschstämmigen Saxe-Coburg and Gotha zu Windsor änderte, rief er seine Verwandten auf, es ihm gleichzutun, und so wurde aus Philips Großvater Ludwig Alexander von Battenberg Louis Mountbatten.

Die Hochzeit von Philip und Elizabeth fand am 20.11.1947 in der Westminster Abbey statt. Die BBC übertrug das Ereignis, und 200 Mio. Menschen weltweit sahen zu. Doch keine der noch lebenden Schwestern Philips durften teilnehmen – zu groß war nach wie vor der Groll gegen Deutschland. Queen Mum war notorisch unbegeistert von Philip, den sie anfänglich „den Hunnen“ nannte. Und auch die Höflinge hielten Philip für einen Emporkömmling.

Prinz Philip: Prinzgemahl, Rebell, Unikat

 

Prinzgemahl

Nach der Hochzeit war Philip erneut für die Marine tätig. Einige wenige Jahre war er auf Malta stationiert, wo er und Elizabeth ein unbeschwertes, quasi ganz normales Leben, führten. Doch die Gesundheit des Königs verschlechterte sich zusehens, also war ein Ende seiner Militärkarriere und der Beginn seiner Tätigkeit als Prinzgemahl abzusehen.Prinz Philip: Prinzgemahl, Rebell, Unikat

Als Elizabeth 1952 den Thron bestieg, schwor er ihr auf Knien den Lehnseid und wurde ihr Untertan. Fortan würde ich stets einige Schritte hinter seiner Frau gehen. Ob ihm das wirklich etwas ausgemacht hat – immerhin war er in royalen Kreisen aufgewachsen und mit dem Zeremoniell und der Hierarchie vertraut – sei dahingestellt.

Dass jedoch er seiner Familie nicht seinen Namen Mountbatten geben konnte, sondern dass Windsor der Familienname sein sollte, brachte Philip sehr auf und führte zu Streitereien innerhalb der königlichen Familie. Erst 1960 einigte man sich auf den Kompromissnamen Mountbatten-Windsor.

Prinz Philip begleitete die Königin zu öffentlichen Auftritten und Auslandsreisen. Doch er begann bald nach der Thronbesteigung seiner Frau auch, eigene Projekte zu verfolgen.

So widmete Prinz Philip sich der Jugendförderung und wurde u. a. Präsident eines Vereins zur Förderung von Spielplätzen. Doch auch Wissenschaft, Industrie und derer Modernisierung lagen ihm am Herzen. Sein Interesse an neuen Entdeckungen und Entwicklungen in der Technik behielt er bis ins hohe Alter bei.

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Auch den königlichen Haushalt gestaltete er effizienter. Hier blieb er dem Erbe von Prinz Albert, Prinzgemahl von Königin Victoria und Ururgroßvater von sowohl Philip als auch Elizabeth, treu.

Auch für den Erhalt der Westminster Abbey, seit fast einem Jahrtausend Krönungsort der britischen Monarchie, setzte er sich ein. Und auch seine Ehe war dort geschlossen worden. Prinz Philip half, Spenden in Millionenhöhe für Restaurierungsarbeiten an der gotischen Kathedrale zu sammeln. Und in all den Jahren seiner Schirmherrschaft verpasste er nicht ein einziges Treffen der Restaurierungsgruppe.

Natur und Tierwelt waren weitere Steckenpferde Philips. Er war einer der Gründer des WWF (World Wildlife Fund) – auch wenn seine Liebe zur Großwildjagd dabei stark kritisiert wurde.

Mehr als 22.000 öffentliche Auftritte absolvierte Prinz Philip, ehe er sich mit 96 Jahren aus der Öffentlichkeit zurückzog.

 

Beißender Humor oder zuviel Ehrlichkeit

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Prinz Philips Bemerkungen sind legendär. Politisch katastrophal inkorrekt, als Reaktion oft genug verblüffte Sprachlosigkeit – manche vermuten hier keine Fettnäpfchen, sondern Methode von Prinz Philip. Hier einige von Philips bekanntesten Sprüchen:

  • Zu seiner Frau nach ihrer Krönung: „Wo hast Du den Hut her?“
  • Bei einem Staatsbesuch in Australien fragte er einige Aborigines, ob sie immer noch mit Speeren nacheinander würfen.
  • Helmut Kohl nannte er bei einem Staatsbesuch in Deutschland „Herr Reichskanzler“
  • Auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung sprach Prinz Philip mit einem Bahnarbeiter über dessen Aufstiegschancen. Dieser sagte: „Da müsste schon mein Boss sterben“. Prinz Philip antwortete: „Genau wie bei mir.“
  • Den nigerianischen Präsidenten in traditioneller Kleidung fragte er, ob dieser auf dem Weg ins Bett sei.
  • Zur Schauspielerin Cate Blanchett sagte er, da diese in der Filmindustrie tätig sei, könne sie doch sicher seinen DVD-Player reparieren.
  • Beim Besuch in einem Londoner Krankenhaus zu einer philippinischen Krankenschwester: „Die Philippinen müssen halb leer sein, sie sind alle hier in unseren Krankenhäusern.“
  • „Wenn ein Mann einer Frau die Autotür öffnet, kann das zweierlei bedeuten: Entweder ist es eine neue Frau oder ein neues Auto.“
  • Er fragte einen Fahrlehrer in Schottland: „Wie halten Sie die Eingeborenen hier lange genug vom Saufen ab, so dass sie die Fahrprüfung bestehen?“
  • An einen britischen Studenten in China gerichtet: „Wenn du länger hier bleibst, wirst du Schlitzaugen bekommen.“
  • „Meine Damen und Herren, jetzt erleben sie den erfahrendsten Gedenktafelenthüller der Welt“, vor der Enthüllung einer Londoner Gedenktafel 2017.
  • Zu einem Student, der Papua-Neuguinea zu Fuß durchquert hatte: „Sie haben es also geschafft, nicht gegessen zu werden“
  • Bei einem Besuch in Kanada 1969: „Ich erkläre das Ding für eröffnet – was immer es auch ist.“
  • Zur pakistanischen Aktivistin für das Recht auf Schulbesuch, Malala Yousafzai „Kinder gehen zur Schule, weil ihre Eltern sie nicht zu Hause haben wollen.“. Die damals 16-Jährige musste über diese Bemerkung kichern.

 

Prinz Philip: Ehemann und Fels

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Vieles kann man über Prinz Philip sagen, aber sicher nicht, dass er nichts bewegt hätte.

Im Südpazifik wird er gar als Gottheit verehrt.

Über 73 Jahre war er an der Seite Elizabeths II. – diese Dauer erreichen wahrlich die wenigsten Ehen. Durch welche Stürme und Skandale das Königshaus auch ging, die Ehe von Elizabeth und Philip war nie Zentrum dieser Unruhen. In früheren Jahrzehnten gab es einst Gerüchte über Philips Untreue, aber belegt wurde dies nie. Sogar die berüchtigte britische Klatschpresse verhielt sich bei ihrer Berichterstattung über das Paar gesittet.

Der ehemals deutsche Prinz, der sein Leben lang fast flüssig Deutsch sprechen konnte, dem zuerst mit Mißtrauen begegnet wurde, wurde schließlich ein Vorzeigemodell für britische Tugenden. Gleichzeitig nahm er kein Blatt vor dem Mund und scheute nie davor zurück, seine Meinung zu sagen, wenn er etwas für wichtig hielt. Er war traditionsbewusst und fortschrittlich zugleich, hochintelligent, vielseitig interessiert.

In all dem sind die Parallelen zu seinem Ururgroßvater Prinz Albert verblüffend.

Etwas, das jeder, der Prinz Philip kennt, immer betont, ist seine unerschütterliche Loyalität zu seiner Frau, die er angeblich liebevoll „Sausage“ (Würstchen) nannte. Natürlich war er der Einzige, der so mit ihrer Majestät reden durfte. Sie selbst nannte ihn ihre Stärke und ihren Rückhalt.

Er mag also eine royale Nebenrolle gespielt haben, aber für die Hauptdarstellerin war er unersetztlich.

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