Um Jack the Ripper ranken sich viele Mythen, konnte er doch nie überführt, sein Motiv und seine Identität niemals gelüftet werden. Tatverdächtige gab es zur Genüge, doch bei allen sprachen auch wieder Punkte dagegen. Wichtige Polizeiakten gingen für immer verloren. Dank den gut dokumentierten Zeitungsberichten von damals lässt sich dennoch einiges rekonstruieren. Sechs bis elf Morde werden dem Ripper zugeschrieben, Berühmtheit erlangten jedoch die »Kanonischen Fünf«.

So entstand der Roman «Hurenmord – Die Rose von Whitechapel» der am 2. September 2019  im Piper Verlag erschienen ist. Es ist der zweite Band einer Trilogie. Die Romane bauen aufeinander auf und sind in sich abgeschlossen, sodass der Roman auch ohne Kenntnis von Band 1 lesbar ist. Wer aber auch den Vorgänger «Hurentochter – die Distel von Glasgow» lesen möchte, dem sei zu empfehlen, dies zuerst zu tun, weil die Rückblenden sonst das Ende von Band 1 verraten.

Jack the Ripper in «Hurenmord – Die Rose von Whitechapel« von Tabea Koenig

Ein Mythos der bis heute anhält

Nebel, Herbst und das Viktorianische Zeitalter – dieses Setting  regte schon immer die Fantasie an. Auch «Jack the Ripper» scheint die Welt nicht zu ermüden, und diente bereits zahlreichen Romanen und Filmen als Motiv. Wohl auch deswegen, weil es sich hier um eine wahre Begebenheit handelt. Der Mörder wurde nie gefasst und es bleibt schleierhaft, wie er die Verbrechen bei der damaligem Bevölkerungsdichte in Whitechapel ungesehen verüben konnte.

Beispielsweise tötete er Annie Chapman in den frühen Morgenstunden in einem Hinterhof, der kaum größer als sechzehn Quadratmeter maß, und dessen einziger Fluchtweg durch ein Mietshaus führte, dessen Bewohner bereits wach waren. Zu dieser Zeit hatten die Wohnung noch keine Toiletten, und das einzige Klohäuschen befand sich im besagten Hof. Der Mörder hätte also jederzeit entdeckt werden können. Keine zwei Meter von Martha Tabrams Leichenfundort entfernt, hatte eine Familie geschlafen, und als ein Kellner die Leiche von Liz Stride  in einem Hof fand, der so dunkel war, dass er ohne ein Streichholz nichts erkennen konnte, glaubte er, den Mörder in der Nähe noch atmen zu hören.

Zu wissen, dass «Jack» sich mitten unter den Bewohnern von Whitechapel befand und ihnen nicht auffiel, machte den Leuten Angst. Und weil er ihnen so nah war, und intensiv über die Fälle berichtet wurde, gab es auch ein großes Bedürfnis, sich an den Ermittlungen zu beteiligen. Bürgerwehren konkurrierten mit der Polizei, Amateure ermittelten auf eigene Faust und einige Verrückte streuten falsche Spuren und verfassten gefälschte Bekennerschreiben. So weiß man heute, dass der berüchtigte From-Hell-Brief eine Fälschung war und sich der eigentliche Mörder selbst niemals «Jack the Ripper» nannte.

Weiter weckte der Hintergrund der Mordopfer das Interesse der Bevölkerung. Es waren Frauen, denen das Leben übel zugespielt hatte, und die alles andere als ein tugendhaftes Leben führten. Ausnahmslos waren sie schwere Trinkerinnen und bis auf Mary Jane Kelly auch phasenweise immer wieder obdachlos. Wer waren diese Frauen, und wie wurden sie zu diesen gestrandeten Existenzen? Und warum mussten sie sterben? Das weiß man bis heute nicht.

 

Whitechapel 1888

Jack the Ripper in «Hurenmord – Die Rose von Whitechapel« von Tabea KoenigIm Jahr 1888 ist Whitechapel ein Viertel, das von Armut und Elend geprägt ist. Es ist eine Zeit vor den ganzen Arbeiterbewegungen, bevor es vernünftige Versicherungen, sauberes Trinkwasser, geschweige denn medizinische Versorgung gab. Im East End lebten 500’000 Menschen und davon rund 35 Prozent unter der Armutsgrenze. Die Leute wohnten in Massenschlägen und Mietskasernen, bei denen Typhus und Keuchhusten in der feuchten Luft grassierten. Bei der Wohnungsknappheit war es üblich, dass einst gutbürgerliche Wohnungen aufgeteilt wurden. So ließen sich mehr Menschen auf die gleiche Fläche pferchen. Dann öffnete man die Flure und vermietete die einzelnen Zimmer als ganze Wohnung oder teilte selbst diese noch mit provisorischen Trennwänden und Vorhängen auf.

Manche vermieteten sogar zusätzlich ihr Bett tagsüber einem Nachtarbeiter.

Die Armut zu meistern und gleichzeitig die Achtbarkeit zu bewahren, stellte sich nahezu als ein Ding der Unmöglichkeit dar. Männer konnten dem Elend entfliehen, indem sie in die Armee oder zur See gingen, doch für Frauen gab es diese Möglichkeit nicht. Ihnen blieb nur, sowohl ihr Gesicht als auch ihre Tugend zu verlieren. In einer Welt, in der kaum ein Herr unter dreißig Jahren vor den Traualtar schritt und voreheliche Verbindungen einem Skandal gleichkamen, florierte das horizontale Gewerbe wie kein anderes. Viele Frauen gaben sich der Gelegenheitsprostitution hin, wenn es die Not verlangte. Eine hübsche junge Frau blieb so zwar nicht lange hübsch, aber sie konnte pro Kunde ein ganzes Pfund verdienen, ehe Syphilis und Gonorrhöe das Kapital ihres Körpers zunichtemachten.

Der Ripper stellt also nicht nur ein nie gefasster Frauenmörder dar, sondern er repräsentiert auch die dunkelste Stunde der Belle Époque. Schlecht beleuchtete Straßen, verwahrloste Frauen, die ihre Ehre verloren hatten und nachts ihre Körper in gefährlichen Gegenden verkauften. Trunkenheit, weil Alkohol sauberer als das Trinkwasser war, Kriminalität auf offener Straße und Misstrauen gegenüber der Polizei; all dies kam «Jack» entgegen.

 

Zum Klappentext

Die junge Witwe Christine Gillard (bekannt aus Teil 1 Hurentochter – Die Distel von Glasgow») macht eine schwierige Zeit durch. Einst eine ehrlose Hure aus Glasgow, leitet sie heute in Whitechapel ein Frauenhaus. Der Körper ihres verstorbenen Gatten ist kaum erkaltet, da beginnen in ihrer Einrichtung die grausamsten Morde der Londoner Geschichte. Zusammen mit ihren Freunden, unterstützt Christine die Polizei bei den Ermittlungen. Dabei kommt sie nicht nur dem attraktiven Inspektor John Pike näher, sondern gerät auch in das Visier von «Jack the Ripper».

 

Wem wird dieser Roman gefallen?

Wem bereits «Hurentochter – Die Distel von Glasgow» gefallen hat, wird bei diesem Roman nicht enttäuscht werden. Der Roman ist aber auch für Leser/innen ohne Kenntnis von Band 1 geeignet, die in das nebelverhangene London von 1888 eintauchen und miträtseln wollen. Noch dazu eignet er sich für alle, die eine Liebesgeschichte zu schätzen wissen. Es ist ein Roman über Liebe, Verrat und Sehnsucht, der die Stellung der Frau und die Missstände in der Armutsbevölkerung behandelt. Dabei werden Tatsachen und Fiktion verknüpft, denn es bleibt ein Unterhaltungsroman mit dem Resümee: So könnte es gewesen sein.

 

Wo kann man das Buch kaufen?

Sowohl Print als auch eBook können überall im Buchhandel bestellt werden. Beispielsweise:

 

 

Über die Autorin

Vergangene Zeiten und malerische Orte: Tabea Koenig wird 1992 in der Schweiz geboren, wo sie Soziale Arbeit und Kulturvermittlung studierte. Gemeinsam mit ihrem Mann unternimmt sie 2014 eine erste Rundreise durch Schottland, wo sie sich beide in die Gegend verlieben. Koenig, die schon immer von historischen Geschichten und insbesondere vom Viktorianischen Zeitalter begeistert war, findet in der malerischen Gegend Schottlands die Inspiration, ihren Traum zu verwirklichen und ihren ersten Roman zu schreiben. 2019 feiert sie mit „Hurentochter – Die Distel von Glasgow“ ihren Debütroman, der gleich den Auftakt einer Trilogie darstellt. Erschienen ist die Reihe im Piper Verlag. Koenig lebt in Basel, träumt aber bereits von ihrer nächsten Schottland-Reise.

Weitere Infos: www.autorin-tabea-koenig.ch

 

Für diesen Beitrag wurden folgende Quellen verwendet:

  • Jack the Ripper: Anatomie einer Legende von Hendrik Püstow und Thomas Schachner
  • Das Jahrhundert Englands von Brian Moynahan

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