Schottlands Votum zur Unabhängigkeit – warum eigentlich?

In der Heimat des Kilts wird am kommenden Donnerstag über Schottlands Unabhängigkeit von England abgestimmt. Nachdem London das Referendum zuerst mit Mißachtung strafte, gingen die Alarmsirenen an, als Studien in der Tat ergaben, ein “Aye” für die schottische Unabhängigkeit sei gar nicht so unwahrscheinlich. Jetzt wird viel über Währung, Wirtschaft und Nordseeöl diskutiert, ob sich die Schotten nun vom englischen Joch befreien sollten oder weiterhin “proud to be British” sein sollten. Aber was mir in der Berichterstattung etwas zu kurz kommt, ist die Frage, wie es eigentlich zu der Union beider Länder kam. War doch schon immer so, oder? Nein, natürlich nicht, und jeder, der einen gewissen Mel-Gibson-Film gesehen hat, weiss das. Wie kam es also, dass Schottland seine hart erkämpfte Eigenständigkeit einst aufgab?

Ich fasse hier stellenweise sehr komplexe historische Begebenheiten und Zusammenhänge zusammen. Klar muss ich dazu vereinfachen und komprimieren. Wer die gesamte Geschichte mit allen Details will, liest also besser ein Buch. Allen anderen: Viel Vergnügen!

 

Wie alles begann: Schottlands Unabhängigkeitskriege

Als 1286 der schottische König Alexander III. starb und ihm wenige Jahre später auch seine designierte Nachfolgerin, seine siebenjährige Enkelin, ins Grab folgte, traten nicht weniger als 13 Anwärter auf den Thron auf den Plan. Um den Ausbruch eines Bürgerkriegs zu vermeiden, ersuchte man den englischen König Edward I. (den bösen, alten König aus dem sogenannten Historienfilm “Braveheart“), als Vermittler zu agieren. Dieser witterte jedoch die Möglichkeit, seinen Einfluss auf Schottland auszubauen und bestimmte John Balliol zum neuen schottischen König. Edward sah John nun als seinen Vasallen an. John teilte diese Meinung jedoch nicht und weigerte sich, England im Kampf gegen Frankreich zu unterstützen. 1296 marschierte Edward daher in Schottland ein, und John Balliol wurde für einige Jahre im Tower von London einquartiert, ehe er ins Exil nach Frankreich ging.

Schottland war also erneut königslos und von England besetzt. Hier tritt nun der berühmte William Wallace auf den Plan, der den Kampf für die schottische Unabhängigkeit aufnahm. Nach Jahren des Krieges, der Niederlage und der Flucht wurde Wallace schließlich gefasst und 1305 in London hingerichtet. Seinen Platz an der Spitze der schottischen Freiheitsbewegung nahm Robert the Bruce ein, der sich 1306 zum schottischen König krönen ließ und 1314 in der Schlacht von Bannockburn die Engländer endgültig besiegte. Und obwohl Englands König Edward III. die Unabhängigkeit Schottlands offiziell anerkannte, versuchte England in den kommenden Jahren (und Jahrhunderten) immer wieder, Schottlands Herrschaft zu beeinflussen.

 

Das Haus Stuart

Die Grundlage für die Vereinigung beider Länder bildet das Haus Stuart (oder Stewart, wie man es ursprünglich schottisch schrieb). Es kam in der Gestalt von Robert II., Enkel von Robert the Bruce, im Jahr 1371 auf den schottischen Thron. Die Beziehungen zwischen Schottland und England waren in den kommenden Jahrhunderten mehr oder minder gespannt, bis schließlich 1542 die berühmteste Schottenkönigin Maria Stuart auf den Thron kam. Maria, die bereits im Alter von nur sechs Tagen Königin wurde, war die Enkelin von Margaret Tudor, Schwester von Heinrich VIII., wodurch sie einen Anspruch auf den englischen Thron hatte. Heinrich brachte daher einen Heiratsvertrag zwischen Maria und seinem fünfjährigen Sohn Edward auf den Weg. Doch das schottische Parlament löste den Vertrag 1543, als Heinrich Schottlands Bruch mit Frankreich (altgedienter Verbündeter und Heimatland der Königinmutter Maria von Guise) forderte.

„Mary Stuart by Clouet“ von François Clouet - Royal Collection

Wieder einmal fiel England in Schottland ein, um die Kindkönigin gefangenzunehmen. Maria von Guise versteckte ihre Tochter, arrangierte ihre Vermählung mit dem französischen Dauphin und schickte sie 1548 nach Frankreich.

Wie die Vorgeschichte der Vereinigung von Schottland und England weiterging, erfahrt Ihr in der kommenden Woche. Dann werden wir auch wissen, ob diese Union weiterhin besteht oder nicht.

Schottlands Unabhängigkeit: Quo vadis?

Am 18. September wird Schottland nun entscheiden, ob es weiterhin Teil von Großbritannien sein will. Oder ob es – nach so vielen Jahrhunderten – eigenständig und unabhängig von englischer Herrschaft sein will. Ein historischer Akt, der die Zukunft Großbritanniens nachhaltig beeinflussen wird. Stand heute stehen die Vorhersagen auf www.whatscotlandthinks.org bei 46% für Ja zur schottischen Unabhängigkeit, 47% für Nein, und 7% sind unentschieden. Das Ergebnis scheint also gänzlich offen zu sein. Und wir dürfen sehr gespannt sein, wie der Volkswille Schottlands nun ausfallen wird.

Mehr zu diesem Thema kannst Du hier in einer Woche lesen.

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

4 Kommentare

  1. Schade dass es mit der Unabhängigkeit nicht geklappt hat.

  2. Schon richtig aber es ist auch nicht gut zu einem Land zu gehören zu dem viele Menschen gar nicht gehören wollen

  3. Naja, die Mehrheit aller Wahlberechtigten hat aber gesagt, dass sie dazugehören wollen – aus welchen Gründen auch immer.So ist das eben mit der Demokratie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.