Paris, 1793. Marie Antoinette, ehemals Königin von Frankreich, stirbt unter der Guillotine. Sie ist das Symbol von allem, was an der Gesellschaft schlecht ist oder war. Bis heute hat sie den Ruf, das französische Volk ausgebeutet und verachtet zu haben. Ich denke, sie war eher ungebildet und unbedarft statt bösartig und niederträchtig, aber dennoch: Wie konnte es so weit kommen?

 

Wer war Marie Antoinette?

Fangen wir am Beginn des Lebens dieser berühmt-berüchtigten Frau an. Maria Antonia, wie sie damals noch genannt wurde, kam 1755 als 15. Kind des römisch-deutschen Kaisers Franz I. und seiner Frau, der großen Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich, zur Welt. Sie sehnte sich zeit ihres Lebens nach dieser Zeit zurück – keine Kritik, keine Beobachtung, einfach nur glücklich.

Wer war Marie Antoinette? Von der Königin zum Opfer

Das einzige Problem war ihre Mutter: Dem Anschein nach sehr fürsorglich und um das Wohl ihrer Kinder besorgt, war Maria Theresia eigentlich berechnend und kontrollierend. Wie die meisten ihrer Zeit und Schicht hatte sie das Wohl und die Zukunft ihrer Dynastie im Auge, und alles weitere musste dahinter zurückstehen.

Maria Theresia fasste eine Heirat nach Frankreich ins Auge, mit dem Österreich gerade ein Bündnis geschlossen hatte. Doch eigentlich war eine andere Tochter, die zuvor jedoch an den Pocken starb, dafür vorgesehen – Maria Antonia hatte nicht die passende Ausbildung. Das Unheil nahm seinen Lauf.

 

Marie Antoinette wird „geboren“

Erst als 1769 die Hochzeit Maria Antonias mit dem französischen Dauphin beschlossen wurde, bemerkte Maria Theresia die gravierenden Bildungsmängel ihrer Tochter. Schnell wurde in das Mädchen alles mögliche Wissen, was eine Königin von Frankreich brauchen würde, im übertragenen Sinne hineingeprügelt, doch Maria Antonia war weder für Gelehrsamkeit noch für Konzentrationsstärke bekannt.

Im darauffolgenden Jahr musste die 14-jährige Prinzessin sich auf den Weg nach Frankreich machen. Ihre Mutter beruhigte das weinende Mädchen mit den unheilsschwangeren Worten: „Seien Sie gut zu dem französischen Volk, damit man sagen kann, ich hätte ihnen einen Engel geschickt.“ Maria Antonia sollte weder ihre Mutter noch ihr Heimatland jemals wiedersehen. Bei der Übergabe an die Franzosen wurde ihr sämtlicher Besitz, sämtliche Kleider, ihre Hofdamen, ihr Hund und sogar ihr Name abgenommen: Aus ihr wurde Marie Antoinette, Besitz Frankreichs.

Marie Antoinette wurde am 16. Mai 1770 mit dem Dauphin Ludwig (Louis-August), Enkel König Ludwigs XV., vermählt. Auch ihr Ehemann, ein knappes Jahr älter als seine Braut, war nicht für seine Rolle vorgesehen, sondern auch nur durch den Tod seines Vaters und Bruders Kronprinz geworden. Das junge Paar war mit seinen Aufgaben und miteinander völlig überfordert, und der Leistungsdruck, möglichst schnell einen Erben zu zeugen, tat sein Übriges: Es dauerte Jahre, bis die Ehe zu einer Schwangerschaft führte, Jahre, in denen der Hof sich über Marie Antoinette, die „Österreicherin“ lustig machte und sie sogar befürchten musste, nach Hause geschickt zu werden. Marie Antoinette flüchtete sich in Mode und Glücksspiel und amüsierte sich, um sich von ihrer trostlosen Ehe abzulenken. Zudem liebte sie Juwelen und häufte die ersten Schulden an, die der König kommentarlos bezahlte. Sie verhielt sich nicht viel anders als andere Damen, doch auf der Dauphine ruhen sämtliche Blicke. Auch Affären, z. B. mit dem schwedischen Edelmann Axel von Fersen, wurden der jungen Prinzessin, die vermutlich auch 18-jährig noch immer Jungfrau war, nachgesagt.

Dann starb Ludwig XV., und Marie Antoinettes Ehemann wurde als Ludwig XVI. König von Frankreich.

 

Marie Antoinette als Königin

Die Öffentlichkeit achtete nun noch mehr darauf, was Marie Antoinette, nun Königin, tat oder was ihr angedichtet wurde. Marie Antoinette schloss enge Freundschaften, die sie auch öffentlich pflegte, und bald gesellte sich das Gerücht der Homosexualität zu ihrem schlechten Ruf. Währenddessen hatte der König offensichtlich keine Mätressen, und die „Österreicherin“ lebte gleichzeitig ausschweifend, begünstigte ihre Freunde und ließ das Land zugunsten ihrer ausländischen Familie ausbluten, so die öffentliche Meinung. Müde der Kritik flüchtete die Königin sich immer häufiger nach Petit Trianon, ein kleines Lustschloss im Garten von Versailles, das bald gehässig „Kleines Wien“ genannt wurde. Man warf ihr vor, sie würde sich in eine Traumwelt flüchten, während die Zustände im Volk immer und immer schlechter wurden.

367px-Marie_Antoinette_and_her_Children_by_Élisabeth_Vigée-LebrunSieben Jahre wartete Frankreich nun auf einen Thronfolger. Maria Theresia schickt sogar ihren Sohn Joseph II. nach Frankreich, um die königliche Ehe zu retten. Er wies nicht nur seine Schwester ob ihres vergnügungssüchtigen Lebenswandels zurecht, sondern er nahm auch seinen Schwager beiseite und erklärte ihm, was zwischen Mann und Frau wie passieren sollte. Es schien zu fruchten: Marie Antoinette wurde endlich schwanger. Im Dezember 1780 kam die Prinzessin Marie Thérèse Charlotte und bereits im darauffolgenden Jahr der Thronfolger Louis Joseph Xavier Francois zur Welt.

Das vergnügungssüchtige junge Mädchen wurde nun zu einer jungen Mutter, und ihr Ruf schien sich zu bessern. Doch dann kam der Spruch auf, der ihr noch heute nachhängt, den sie aber nie gesagt hat: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!“ Vermutlich basiert dieser Spruch auf einer Aussage der Ehefrau Ludwigs XIV., 100 Jahre zuvor. Bereits Jahrzehnte, bevor Marie Antoinette Königin wurde, zitierte der Philosoph Rousseau diese Worte.

Der wachsende Unmut konzentrierte sich auf die Königin, die ihr, angesichts der Staatsschulden, den Spitznamen Madame Deficit gaben. Die sogenannte Halsband-Affäre, an der Marie Antoinette keinerlei Schuld trug, die jedoch ihr allein zugesprochen wurde, war der letzte Sargnagel ihres Rufes. Sie bekam noch zwei weitere Kinder, den ersehnten Prinzen sowie eine Prinzessin (die nur 11 Monate alt wurde). Sie zog sich nun weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, kümmerte sich um ihre Kinder und mied Bälle und Theateraufführungen, doch es war zu spät.

Ludwig wollte die Krise durch neue Steuereinnahmen durch Adel und Klerus abwenden, doch die Versammlung der Stände lehnte ab. Der König verfiel in Schwermut. Und hier kippte das Verhältnis zwischen König und Königin, und Marie Antoinette gelang es, ihren Einfluss immer und immer weiter auszubauen. Doch als sie dies geschafft hatte – und das Volk den Eindruck bekam, die verschwenderische Österreicherin wolle nun auch noch das Land regieren – ging alles den Bach runter.

Die weitere Geschichte erzählt mein nächster Blogartikel „Marie Antoinette: Hinrichtung einer Königin„.



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