Marie Antoinette: Hinrichtung war ihr unausweichliches Schicksal und vermutlich der Grund, warum man sich ihrer noch heute erinnert. Nachdem ich in meinem letzten Blogartikel ihr prä-revolutionäres Leben betrachtet habe, will ich mich nun den letzten Jahren ihres Lebens widmen.

 

Die französische Revolution

Am 14. Juli 1789 stürmte das Volk die Bastille, um sich zu bewaffnen, und zog nur wenig später gen Versailles, wo sie Brot forderten und König und Königin vor das Volk zitieren wollen. Der Mob drang in den Palast ein und zog zu den Gemächern der Königin, auf seinen Lippen die Forderung, ihr den Kopf abzuschlagen oder sie in Streifen zu schneiden. Marie Antoinette, die erst wenige Monate zuvor ihren ältesten Sohn durch Tuberkulose verloren hatte, war voller Angst um ihre verbleibenden Kinder und floh in die Gemächer des Königs. Die Palastwache konnte den Mob schließlich in den Schloßhof zurückdrängen, wo sie erst das Erscheinen des Königs und dann auch der Königin auf dem Balkon forderten. Mehrere Bewaffnete richteten sogar Waffen auf sie, aber dennoch stand Marie Antoinette mehrere Minuten vor der tobenden Menge und brach erst zusammen, als sie den Balkon verlassen hatte.

Marie Antoinette: Hinrichtung einer Königin

Später wurde die königliche Familie unter Bewachung nach Paris gebracht und im Tuilerienpalast unter Hausarrest gestellt. Dort verbrachten sie die nächsten drei Jahre, ein Ausbruchsversuch scheiterte. Der König unterschrieb seine eigene Entmachtung. Marie Antoinette schrieb heimliche Briefe ins Ausland und bat darum, in Frankreich einzufallen und dem König wieder zur Macht zu verhelfen. Noch hatte sie die Hoffnung für ihren Sohn Ludwig Karl nicht aufgegeben. Doch das Ausland inklusive ihrem Heimatland Österreich kam ihr nicht zu Hilfe.

Einzig Marie Antoinettes angeblicher Geliebter Axel von Fersen hielt noch zu ihr. 1792 versuchte er, König und Königin zu einem erneuten Fluchtversuch zu überreden. Doch der schwermütige König hatte bereits mit allem abgeschlossen und bereitete sich auf den Tod vor. Marie Antoinette hingegen wollte nicht ohne ihren Ehemann gehen. So verließ von Fersen Marie Antoinette und sah sie nie wieder.

Schließlich wurde die königliche Familie 1792 gänzlich entmachtet und ins Gefängnis gesperrt. Dort lebten sie ein erstaunlich normales Familienleben. Marie Antoinette und ihr Mann Ludwig waren sich vermutlich nie so nahe wie in jenen wenigen Wochen. Doch das Volk verlangte nun endgültig nach dem Tod des Königspaares. Ludwig wurde im Dezember 1792 wegen Verschwörung gegen den Staat vor Gericht gestellt. Einen Monat später wurde sein Todesurteil gefällt. Er bekam kaum Zeit, sich von seiner Familie zu verabschieden und wurde am 21. Januar 1793 hingerichtet.

 

Die Witwe Capet

Nach dem Tod des Königs trennte man Marie Antoinette wegen Fluchtgefahr von ihrem Sohn. Kurz darauf erklärte Frankreich Österreich den Krieg, und als sei verhaßte Ex-Königin noch nicht genug, wurde Marie Antoinette nun zur feindlichen Ausländerin. Man brachte sie in das Conciergerie-Gefängnis und klagte sie der Verschwörung gegen Frankreich an. In der Conciergerie verlor Marie Antoinette, nun nur noch die „Witwe Capet“ (nach dem Ahnherren der französischen Herrscher), den letzten Rest ihres Standes, als ihr sämtliche Habseligkeiten abgenommen wurden. Sogar einen Spiegel hatte sie nur, weil eine Zofe ihn zu ihr schmuggelte. Marie Antoinette war tief gefallen, und es müssen diese kleinen Gesten der Freundlichkeit gewesen sein, die sie diese Zeit mit gesundem Geist überstehen ließ.

Als man sie am 14. Oktober 1793 vor Gericht zitierte, war das Publikum erstaunt, statt der bekannt prunkvollen Gestalt eine vor ihrer Zeit gealterte Frau im schwarzen Kleid mit grauem Haar zu sehen. Die „üblichen“ Anklagepunkte (Hochverrat, Verschwörung gegen Frankreich usw.) wurden vorgebracht, doch Marie Antoinettes Ankläger hatten noch etwas Besonderes in petto. Sie hatten ihren Sohn betrunken gemacht, geschlagen und gezwungen, seine Mutter des sexuellen Mißbrauchs zu beschuldigen. In ihrer Rolle als Mutter hatte sie sich nie etwas zuschulden kommen lassen, und um ihren Ruf nun vollständig zu zerstören, sollte auch ihre Mutterschaft entehrt werden. Marie Antoinette weigerte sich empört, sich zu dieser Anklage zu äußern und sagte, dass die Natur selbst eine Antwort verbiete. Zu den übrigen Punkten hatte sie sich erstaunlich klug und selbstsicher verteidigt, was sogar ihren Feinden Respekt abrang. In ihrer dunkelsten Stunde kam die Tochter Maria Theresias doch noch an die Oberfläche.

Doch wie auch bei ihrem Ehemann stand das Urteil bereits fest. Marie Antoinette wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und für den kommenden Tag zum Tode verurteilt. Sie war 37 Jahre alt. Und das Volk wollte ihr Blut fließen sehen.

 

Marie Antoinette: Hinrichtung

Marie Antoinettes Hinrichtung wurde für den 16. Oktober angesetzt. Hatte sie auch mit lebenslanger Haft gerechnet, nahm Marie Antoinette ihr Todesurteil mit so viel Würde wie ihr geblieben war, hin.

In der Nacht vor ihrer Hinrichtung schrieb sie einen letzten Brief an ihre Schwägerin Élisabeth, in dem sie ihre Kinder aufforderte, dem französischen Volk zu vergeben. Leider erreichte Marie Antoinettes letzter Brief nie sein Ziel. Als die Sonne aufging, wurde sie für ihren Tod vorbereitet. Sie wurde gezwungen, sich vor ihren Wachen umzuziehen und zog ein schlichtes, weißes Kleid an. Weiß war die Farbe der französischen Königswitwen. Dann wurde ihr Haar abgeschnitten, und ihre Hände wurden schmerzhaft auf ihren Rücken gebunden. Dann trat sie auf einem offenen Karren die Reise zum Place de la Révolution (heute Place de la Concorde) und seiner Guillotine an, die eine ganze Stunde dauerte. Währenddessen musste sie die lautstarken Schmähungen der Pariser Bevölkerung ertragen.Marie Antoinette: Hinrichtung einer Königin

Der Maler Jacques-Louis David sah von seinem Fenster aus zu, wie die ehemalige Königin vorbeigefahren wurde, und fertigte eine Zeichnung von ihr an (siehe rechts). Für ihr Seelenheil begleitete sie ein Geistlicher, doch kein Katholik, sondern ein Vertreter der neuen republikanischen Kirche. Die gläubige Katholikin Marie Antoinette ignorierte ihn.

Mit gefesselten Händen wurde sie zum Schafott geführt, bei dem Tausende darauf warteten, die verhasste Königin sterben zu sehen. Nachdem sie das Schafott bestiegen hatte, trat sie dem Scharfrichter Henri Sanson versehentlich auf den Fuß. Sie entschuldigte sich und beteuerte, dies sei keine Absicht gewesen. Dies waren Marie Antoinettes letzte Worte. Um 12.15 Uhr ging das Fallbeil der Guillotine auf sie herab.



6 Comments

Anette · 24. September 2015 at 14:30

Kennst du Sophia Coppolas Film über Marie-Antoinette? Wenn ja, was hältst du von ihm?

    StefanieNorden · 24. September 2015 at 14:48

    Das ist der Film mit Kirsten Dunst, oder? Ja, der gefiel mir vom Feeling her recht gut, aber ich habe ihn auch nur einmal, und das vor längerer Zeit, gesehen. Für eine fundiertere Meinung müsste ich ihn mir nochmal anschauen.

Alena S. · 12. Juni 2017 at 14:24

Die Hinrichtung fand nicht auf dem Place de la Révolution statt sondern auf dem Place de la Concorde!

    StefanieNorden · 23. Juni 2017 at 11:33

    Der Place de la Concorde trug damals den Namen Place de la Révolution. Ich habe es im Text noch einmal verdeutlicht.

    Uwe · 29. Juli 2018 at 14:05

    Lol
    Das ist der heutige Plave de la Concorde!!!!

    Erst denken und Geschichtsbuecher lesen,dann Kommentieren.

Sandra-Isabell · 7. August 2019 at 11:31

Eine wunderbare Zusammenfassung. Ich habe soeben Stefan Zweigs Biographie Marie Antoinettes beendet und muss sagen, ich bin tief ergriffen. Insbesondere von Axel von Fersen, der im obigen Text als „angeblicher“ Geliebter betitelt wird, der diese Bezeichnung jedoch zu Recht trug, wie Zweig herausarbeitet. So tief hatte sich die Gram über Marie Antoinettes Verlust in seine Seele eingegraben, dass er sich zeitlebens dafür verurteilte, am 20. Juni 1791 auf den Wunsch Ludwigs XVI. hin nach erfolgreicher Erstphase der Flucht nach Varennes verlassen zu haben und es nicht vorzog, vom Volk zerrissen zu werden, dass er Jahre später auf ebensolche Weise zu Tode kam — zerrissen von einem entfesselten Pöbel, ebenfalls an einem 20. Juni, nur eben 1810 statt 1791. Er hat Marie zeitlebens nicht vergessen können, wie lebhaft aus seinen Tagebüchern hervorgeht, und ihr bis zu seinem Ableben die Treue gehalten.

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