Sherlock Holmes, viktorianische Romangestalt und Vorbild fast aller Detektivgeschichten der Welt, fand im Jahr 2010 den Weg auf die Fernsehbildschirme. Die BBC versetzte den Detektiv ins London des 21. Jahrhunderts und brachte so neuen und sehr interessanten Schwung in die jahrhundertalten und bereits mehrfach verfilmten Kriminalgeschichten.

Nordkomplotts Serientipp: Sherlock

Sherlock Holmes und John Watson, Version 2.0

Dr. John Watson kommt mit einer Kriegsverletzung aus dem Krieg in Afghanistan zurück. Er geht am Stock, hat einen Tremor in der Hand und befindet sich in therapeutischer Behandlung.
Nordkomplotts Serientipp: SherlockSeine Therapeutin sieht in seiner Behinderung eine Auswirkung seiner posttraumatischen Belastungsstörung.
In finanziellen Nöten sucht Watson in London einen Mitbewohner und lernt so den kaum gesellschaftsfähigen, aber genialen Consultant Detective Sherlock Holmes kennen. Dieser zögert nicht lang und nimmt John Watson als seinen Assistenten mit zum ersten Tatort. Watson sieht: Man kann Sherlock zwar kaum unter Menschen lassen, aber geht es um versteckte Hinweise, auf die kein normaler Mensch je kommen würde, führt kein Weg an ihm vorbei. Deswegen kontaktiert Detective Inspector Lestrade ihn auch bei jedem mysteriösen Fall, auch wenn seine Kollegen Sherlock selbst für einen psychopathischen Killer halten.

Zum Lösen jener vertrackten Fälle kann Sherlock auch auf die Technologie des 21. Jahrhunderts zurückgreifen: Smartphones, Blogs, Google, Twitter und Co. bringen Schwung ins viktorianische Krimi-Milieu, ohne aus der Serie einen Internetkrimi zu machen. Man bleibt dem traditionellen sherlockschen Spürsinn treu.

 

Benedict Cumberbatch ist Sherlock Holmes

Noch ehe er den Star Trek-Bösewicht verkörperte und dem Drachen Smaug Stimme und Mimik lieh, macht der Brite Benedict Cumberbatch in der Rolle des Sherlock Holmes Furore. Sein Sherlock hat kaum noch etwas mit dem Bild, das die Meisten von Sherlock Holmes haben, gemein und dass wahrscheinlich von Peter Cushing geprägt wurde. Cumberbatchs Sherlock tauscht die Pfeife gegen das Nikotinpflaster, setzt die charakteristische Mütze nur ein einziges Mal zur Tarnung auf und lässt sämtliche Gesellschaftstauglichkeit vermissen. In der Tat ähnelt dieser Sherlock eher einem ernsteren und finsteren Sheldon Cooper. Mitgefühl und andere Emotionen spielen für ihn, in den meisten Fällen, keine Rolle. Gleichzeitig ist er so brilliant, dass es naheliegt, dass er einzig aus diesem Grund für so viele Menschen eine Rolle spielt – sein nettes Wesen ist es zumindest in der Regel nicht.

Sherlock hat den unbedingten Drang, seine Intelligenz nicht nur permanent herauszufordern, sondern sich auch Anderen als überlegen zu erweisen. Gleichzeitig scheitert er an einfachsten zwischenmenschlichen Dingen, nur um an anderer Gelegenheit zu beweisen, dass er eben doch nicht die kalte, gefühllose Maschine ist, die er vorgibt, zu sein. Gerade im späteren Verlauf der Serie wird dies immer deutlicher. Ein interessanter, vielschichtiger Charakter.

 

Martin Freeman ist John Watson

Freeman, den man auch als Bilbo Beutlin kennt, verkörpert John Watson. In dieser Version, wie auch im Ursprungswerk, ein Arzt und Kriegsveteran. Auf der Suche nach einem Mitbewohner stolpert er über Sherlock Holmes, mit dem ihn zu Anfang nicht mehr verbindet als das Interesse an der Aufklärung kniffliger Fälle. Auf sozialer Ebene wird Watson doch bald zu einem Vermittler zwischen ihm und dem Rest der Menschheit, und schließlich entwickelt sich eine Art Freundschaft. Watson mag nicht so genial wie sein Mitbewohner sein, doch dumm ist er nicht, und so wird er eine wertvolle Hilfe.

Freeman passt in die Rolle wie die Faust aufs Auge, und das Spiel zwischen Sherlock und Watson ist eine Freude, zu beobachten.

 

 

Mein Fazit

Fans von Sherlock Holmes, die nicht allzu sehr an der altmodischen Szeniere hängen, werden an Sherlock ihre Freude haben. Aber auch, wer weder Holmes- noch Krimifan generell (wie ich) ist, sollte der Serie unbedingt eine Chance geben. Sie ist clever, modern und verfügt über einen innovativen Witz. Man nimmt sich selbst nicht bierernst, sondern kann sich auch selbst auf die Schippe nehmen.

Vieles aus den ursprünglichen Werk wurde übernommen: Inspektor Lestrade findet sich ebenso wie die Vermieterin Mrs. Hudson oder Sherlocks Bruder Mycroft. Anderes wurde einer modernen Überarbeitung unterworfen. So schreibt Watson die bearbeiteten Fälle in einem Blog auf, der zu Sherlocks Leidwesen schnell deutlich beliebter als seine eigene Website wird.

Und was das Coolste daran ist: Blog und Website können im echten Internet bewundert werden (Achtung, Spoiler):

http://www.johnwatsonblog.co.uk

http://www.thescienceofdeduction.co.uk

„Sherlock“ lief auf deutsch bislang in drei Staffeln mit je drei Folgen plus einem Special in Spielfilmlänge. Die heißerwartete Staffel 4 läuft im Januar 2017 in England an.


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