Historisch korrekt? Faktencheck „Outlander“

Die US-amerikanische Serie „Outlander“ bringt die Romane von Diana Gabaldons Higland-Saga in bisher drei Staffeln auf die Fernsehbildschirme.

„Outlander“ verwebt historische mit Fantasyelementen: Im Jahr 1946 befindet sich die Krankenschwester Claire gemeinsam mit ihrem Ehemann Frank auf den zweiten Flitterwochen in Schottland. Dort fällt sie innerhalb eines Steinkreises durch die Zeit und landet im Jahr 1743. Eine andere Zeit und weitaus andere Gepflogenheiten. Ihre medizinischen Kenntnisse helfen Claire, ihr Eigensinn und ihre Unabhängigkeit weniger. Schließlich kann sie sich nur aus Schwierigkeiten retten, indem sie einen Schotten ehelicht – den schneidigen Jamie Fraser. Aus der Zweckehe wird die große Liebe. Aber Schottland steht vor einer Katastrophe, denn der zweite Jakobitenaufstand steht kurz bevor.

Historisch korrekt? Faktencheck "Outlander"

Klar hat sich „Outlander“ mit der ganzen Zeitreisegeschichte sicher die Bezeichnung „historische Serie“ zu einem Gutteilt verspielt. Dennoch habe ich mir angesehen, wie nahe die Serie, abseits der Zeitreisen, an der historischen Wahrheit geblieben ist.

Faktencheck „Outlander“

  • Die Clans Mackenzie und Fraser waren in der Tat überzeugte Anhänger des Jakobitenaufstandes. Nachdem der Aufstand gescheitert war, versöhnten sich beide Clans jedoch mit den Briten, passten sich an und verschmolzen mit der vornehmen britischen Oberschicht.

 

  • Tartans in Clansfarben wurden erst  im frühen 19. Jahrhundert üblich Vorher trug man, was man sich leisten konnte, wofür Färbemittel zur Verfügung standen und was einem gefiel.

 

Historisch korrekt? Faktencheck "Outlander"

  • Eine Frau namens Geillis Duncan wurde Ende des 16. Jahrhunderts wegen Hexerei vor Gericht gestellt, gute 50 Jahre vor der Handlung aus „Outlander“. Ihr Prozess war so berühmt, dass sich sowohl Shakespeare von ihrem Prozess für sein Stück „MacBeth“inspirieren ließ als auch König James I. für sein Werk über die Hexenverfolgung „Daemonologie“. Die hexende junge Frau aus „Outlander“ könnte ihren Namen angenommen haben.

 

  • Zur Zeit von „Outlander“ war die große Zeit der Hexenverfolgung bereits vorbei. Der letzte Hexenprozess auf schottischem Boden fand 1722, mehr als 20 Jahre früher, statt.

Historisch korrekt? Faktencheck "Outlander"

  • Was meiner Meinung nach nicht ganz deutlich wurde: Den Jakobitern ging es nicht wirklich um die Unabhängigkeit Schottlands und die Befreiung vom englischen Joch. Die Jakobiter waren katholische Anhänger des Hauses Stuart, das bis 1714 auf dem Thron von Großbritannien (zudem die Königreiche England und Schottland 1707 vereint worden waren) saß. Der letzte katholische Stuartkönig James II. wurde 1689 abgesetzt und durch seine protestantische Tochter Mary II. und deren Ehemann William III. ersetzt. Nachdem sowohl Mary als auch ihre Schwester Anne kinderlos starben, ging der Thron 1714 an George I. aus dem Haus Hannover, dem nächsten Thronfolger, nachdem der „Act of Settlement“ alle Katholiken aus der Thronfolge verbannte. Die Jakobiten begehrten dagegen auf und sahen James II., seinen Sohn James sowie dessen Sohn Charles (genannt Bonnie Prince Charlie) als rechtmäßige Könige an.

 

Historisch korrekt? Faktencheck "Outlander"

  • Da seine Anhänger ihn als König sahen, wurde Charles Edward Stuart von ihnen nicht „Bonnie Prince Charlie“ (hübscher Prinz Charlie), sondern König Charles III. genannt.

 

  • Es gibt mehrere Figuren, die im 18. Jahrhundert den Namen Conte de St. Germain trugen, aber keiner von ihnen starb vor der Schlacht von Culloden.

 

  • Simon Fraser, 11. Lord Lovat (Jamies Großvater) ist eine reale historische Persönlichkeit. Er wechselte im Konflikt zwischen den Jakobiten und dem Haus Hannover mehrfach die Seiten, unterstützte zuletzt die Jakobiten. Wegen seiner Teilnahme an der Schlacht von Culloden wurde er wegen Verrates zum Tode verurteilt und 1747 hingerichtet. Er war der letzte Mann, der in Großbritannien enthauptet wurde.

 

Fazit

Wenn man bedenkt, dass ihr Hauptplot sich um Zeitreisen dreht, nimmt Autorin Diana Galbadon historische Recherche erstaunlich ernst. Und auch die Macher der TV-Serie führen dies fort. Auch „Outlander“ ist sicher immer noch historische Fiktion und nicht historische Wirklichkeit, aber die historische Genauigkeit ist erfreulich hoch für eine TV-Serie.

Wem gefällt „Outlander“?

Zunächst einmal jedem, dem die grandiose schottische Landschaft gefällt, denn dieser könnte man hier mindestens eine Nebenrolle zugestehen.

Was das Zeitreisen angeht: Ich fand das ehrlich gesagt immer blöd, und sah ich so einen Plot auf einem Buch (war ja eine Weile sehr „in“), habe ich einen großen Bogen darum gemacht. Darum scheute ich auch recht lange davor zurück, mit „Outlander“ anzusehen. Aber ich muss zugeben, dass es mich nicht gestört hat, dass ich es sogar ganz interessant fand. Nicht umsonst habe ich mit „Outlander“ angefangen und alle Staffeln verschlungen, derer ich habhaft werden konnte. Auch bin ich kein sonderlicher Romantikfan. Aber auch das hat mich hier nicht gestört. Ich fand die Geschichte von Claire und Jamie sehr mitreißend und interessant erzählt.

Gut gefallen hat mir, dass es eine amerikanische Serie mal schafft, nicht so maßlos plakativ zu übertreiben. Ich hätte sie für eine britische Produktion gehalten 🙂 Gerade, weil man unter den Schauspielern immer wieder bekannte Gesichter aus anderen historischen Produktionen findet. Sie zieht jedoch keine Samthandschuhe an, wenn es um Gewalt und Grausamkeit geht. Einige Szenen gehen wirklich weit und sind nur schwer anzuschauen. Aber sie vermitteln dabei nicht das Gefühl, die Taten und Ereignisse zu bagatellisieren, sensationslüstern zu sein oder die Opfer aus den Augen zu verlieren – hallo, Game of Thrones.

Schau es Dir an, bilde Dir eine eigene Meinung und lern was Neues 🙂

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Quellen:

missgeek.de

geekandsundry.com

dianagabaldon.com

thehistorypress.co.uk

uk.ign.com

aureasfabelhaftewelt.com

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