Being Human: Supernaturals in the UK

Mein heutiger Serientipp ist (zu Unrecht) in Deutschland nahezu unbekannt oder durch die gleichnamige US-Coverversion verdrängt: Being Human, die Horror-Dramedy.

Being Human – Der Plot

Ein Vampir, ein Werwolf und ein Geist teilen sich ein Apartment in Bristol. Ja, ich weiss, was Ihr jetzt denkt. Häufig genug ergreife ich auch bei einer solchen Beschreibung die Flucht. Dazu muss man wissen: ich war schon Vampirfan, bevor es cool wurde, und ich hasse Twilight. Von daher tue ich mich mit dieser ganzen „Vampire versuchen, ein normales Leben zu führen“-Kiste ein wenig schwer. Da mir jedoch Aidan Turner bereits im „Hobbit“ gut gefallen hatte, war ich bereit, einiges auf mich zu nehmen, um ihn als Vampir zu erleben.

Being Human: Supernaturals in the UK

Meet John Mitchell

Mitchell (gespielt von Aidan Turner), der meistens nur bei seinem Nachnamen genannt wird, wurde auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges zum Vampir. Nach Jahrzehnten des orgiastischen Mordens gab er das Töten auf und versucht nun, genauso wie sein bester Freund George, wie ein Mensch zu leben. Mitchells Erzeuger Herrick, der die örtliche Polizei unterwandert hat, um das Morden seinesgleichen zu vertuschen, würde ihn nur zu gern wieder auf seiner Seite sehen. Und auch Mitchell selbst kann seine Gier nach menschlichem Blut nicht immer kontrollieren.

Meet George Sands

Der überdurchschnittlich intelligente und leicht nerdige George (Russell Tovey) wurde durch den Kratzer eines Unbekannten zu einem Werwolf. Zu jedem Vollmond macht er die sehr schmerzhafte Verwandlung durch, bei der er jegliche Kontrolle über sich verliert. Als Resultat hat er Probleme damit, diesen Teil von sich in seinem Leben zu akzeptieren. Seine Eltern hat er nach seiner Verwandlung verlassen, und auch Kontakte zum anderen Geschlecht fürchtet er sehr.

Meet Annie Sawyer

Annie (Lenora Crichlow) wohnte zu Lebzeiten mit ihrem Verlobten in dem Apartment, in dem sie nun spukt. Während sie für Menschen unsichtbar ist, können übernatürliche Wesen sie wahrnehmen, weswegen George und Mitchell die ersten Mieter sind, die sie nicht vergrault. Noch immer trauert sie ihrem Verlobten und dem Leben, das sie verloren hat, hinterher. Und noch immer weiss sie nicht, was sie nach wie vor in dieser Welt hält.

Statement

Mitchell, George und Annie finden sich also in dieser übernatürlichen Leidensgenossen-WG zusammen und bemühen sich, sich anzupassen und nicht aufzufallen. George und Mitchell haben Hilfsjobs im Krankenhaus, und Annie putzt die Wohnung und kocht Tee und Kaffee am laufenden Band. Immer wieder nehmen andere übernatürliche Wesen Einfluss auf das Trio, und auch normale Menschen können ihr bemüht normales Leben durcheinander bringen.

Being Human schafft einen spannenden Spagat zwischen zwei Welten: einerseits sind die Charaktere, unabhängig von all ihrer Übernatürlichkeit, sehr menschlich und liebenswert neurotisch. Hier kann keiner von ihnen aus seiner Haut, und ihr wahres Wesen beeinflusst ihr Handeln deutlich. In der ursprünglichen Version der Serie handelte es sich nicht um übernatürliche Wesen, sondern um Menschen mit bestimmten psychischen Problemen, und diese Wesenszüge finden auch in der aktuellen Version ihren Platz: Annie litt an Agoraphobie, also der Angst vor großen, offenen Plätzen. Und obwohl Annie, der Geist, überall hingehen kann, findet man sie gerade zu Beginn fast immer im Apartment vor. George hatte Probleme mit Aggressionsbewältigung, was sich nun hauptsächlich in seinem Werwolf-Wesen wiederfindet, jedoch auch häufig dann aufblitzt, wenn er den Wolf unterdrücken muss, um in seinem normalen Leben klarzukommen. Bei Mitchell hingegen handelte es sich um einen Sexsüchtigen, und in der Tat sieht man gleich in der ersten Folge, wie Mitchell eine Frau verführt, von ihr trinkt und sich anschließend dafür verflucht. Und nicht zuletzt sind die Parallelen zwischen Sex und Vampirismus, spätestens seit der prüde-viktorianischen Begeisterung für Bram Stokers Dracula nicht zu leugnen.

Sieht man also einerseits reichlich und oft typisch britischen Humor, überrascht die Show dann auch immer wieder mit Blut, Grausamkeit und Kaltblütigkeit. Dem ganzen „Normales Leben“-Thema zum Trotz spielt das Übernatürliche und seine Abgründe eine große Rolle. Auch wenn man sich selbst nicht vollkommen ernst nimmt: verniedlicht wird hier nichts. Vampire können vielleicht in die Sonne gehen, aber glitzern und am laufenden Band sich selbst bemitleiden tun sie deswegen nicht. Werwölfe haben vielleicht nur zu Vollmond so richtig mit ihrem haarigen Problem zu kämpfen, leben aber in der Gewissheit, dass sie ohne die richtigen Vorkehrungen alles und jeden in ihrer Nähe zu jener Zeit in Stücke reißen werden – egal, ob Freund oder Feind.

Interessante Charaktere, ein gutes Genre sowie eine abwechslungsreiche Mischung von Themen und Stimmungen – mich hat’s gepackt. Und ich kann die Serie problemlos weiterempfehlen.

Der Vollständigkeit halber sollte ich jedoch erwähnen, dass ich bislang nur die ersten drei Staffeln gesehen habe. Aus Gründen.

Allerdings hat dieses Juwel seinen Weg in die deutsche Synchronisation noch nicht gefunden. Nachteil: ohne gute Englischkenntnisse wird man mit der Vielzahl an Dialekten aus dem Vereinigten Königreich vermutlich Probleme bekommen. Vorteil: der britische Humor geht nicht verloren.

Treibt man sich also rein zufällig auf „gewissen Seiten“ herum, wird sich Being Human finden lassen, ansonsten sind die DVDs käuflich zu erwerben.

UPDATE: „Being Human“ läuft erstmalig ab dem 16.03.2014 auf Pro7 Fun im deutschen TV.

 

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