Als die Royals aus Hannover kamen: 300 Jahre Personalunion

Schon gewusst? Das englische Königshaus wurde 123 Jahre lang von einer Familie regiert, die aus dem niedersächsischen Hannover stammte, und zwar ab 1714. „Als die Royals aus Hannover kamen“ titelt nun das Niedersächsische Landesmuseum Hannover eine Landesausstellung in Hannover und Umgebung, die die Personalunion Hannover-Großbritannien aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Als die Royals aus Hannover kamen – warum eigentlich?

Bevor das Haus Hannover in der Gestalt von George I. den englischen Thron bestieg, war das Haus Stuart an der Macht gewesen. Zu jener Zeit gab es unter den strikt protestantischen Engländern einen starken Wunsch: Nie wieder von einem Katholiken regiert werden! Das Parlament gewann zunehmend an Einfluss auf die Monarchie, und nachdem James II. zum Katholizismus konvertiert war und viele Katholiken in hohe Ämter beförderte, entschied man, einzuschreiten. Durch die Glorious Revolution wurde James II. schließlich 1689 zugunsten seiner Tochter Mary und ihrem protestantischen Ehemann Wilhelm von Oranien abgesetzt.

Als die Royals aus Hannover kamen: Sophie von der PfalzDoch weder Mary und Wilhelm noch der ihnen nachfolgenden Anne, Marys Schwester, war es vergönnt, lebende Nachkommen zu haben. Um den Rest der katholischen Stuarts ein für alle mal von der britischen Thronfolge auszuschließen, wurde 1701 der Act of Settlement erlassen, der alle Katholiken oder Ehepartner von Katholiken von der Thronfolge ausschloß. Die Nachfolge von Königin Anne sollte Sophie von der Pfalz antreten, Protestantin, Kurfürstin von Hannover und Enkelin von James I., dem ersten Stuartkönig. Sophie starb jedoch, bereits hochbetagt, zwei Monate vor Anne, wodurch ihr Sohn Georg Ludwig, Kurfürst von Hannover, den englischen Thron 1714 als George I. bestieg.

Da das Haus Hannover in puncto Fortpflanzung erfolgreicher als die Stuarts war, folgten George I. sein Sohn George II., dessen Enkel George III. und Urenkel George IV. und William IV. auf den Thron. Erst 1837, als William IV. keinen männlichen Erben hinterließ, sondern von seiner Nichte Victoria beerbt wurde, endete die Personalunion, da das Kurfürstentum Hannover aufgrund des salischen Gesetzes keine weibliche Thronfolge zuließ.

Ausstellungen

Zwischen dem 17.05. und dem 05.10.2014 finden im Raum Hannover fünf Ausstellungen statt, die das Thema der Personalunion zum Thema haben:
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover: Als die Royals aus Hannover kamen

Wie die Personalunion überhaupt erst zustande kommen konnte und was sich an den Höfen jener Zeit getan hat, zeigt die Zentralausstellung der Reihe.

Museum Schloss Herrenhausen, Hannover: Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714-1837

Schloss Herrenhausen, das 1943 niederbrannte, wurde zum 300. Jubiläum der Personalunion wieder aufgebaut und präsentiert nun u.a. den Werdegang des ersten Monarchen der Personalunion, George I., bevor und kurz nachdem er den englischen Thron bestieg.

Historisches Museum Hannover: Eine Kutsche und zwei Königreiche. Hannover und Großbritannien

Zwei Königreiche und die Geschichte einer königlichen Kutsche, die beide verband.

Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst: Königliches Theater. Britische Karikaturen aus der Zeit der Personalunion und der Gegenwart

Diese Ausstellung präsentiert britische Karikaturen aus vier Jahrhunderten.

Residenzmuseum im Celler Schloss: Reif für die Insel. Das Haus Braunschweig-Lüneburg auf dem Weg nach London

Der Weg des Hauses Braunschweig-Lüneburg wird beleuchtet: Von der Bedeutungslosigkeit nach dem Dreißigjährigen Krieg bis hin zur Thronbesteigung einer der bedeutendsten europäischen Nationen.

Als die Royals aus Hannover kamen: Fun Facts

Neben allem Glanz und Gloria will ich Euch die kuriosen Details der Herrscher aus dem Haus Hannover und ihrer Zeit nicht vorenthalten:

  • George I. sprach sein Leben lang nicht richtig Englisch. Seine Regentschaft brachte deshalb eine Machtverschiebung hin zum Parlament sowie die Erschaffung des Parteiensystems und des Premierministers mit sich.
  • George II. war für sein cholerisches Temperament bekannt – und dafür, bei Wutausbrüchen seine Perücke auf den Boden zu werfen und sie wegzutreten.
  • Wollte sich eine Dame der georgianischen Gesellschaft herausputzen, rasierte sie sich die Augenbrauen ab und benutzte falsche Augenbrauen aus Mausfell.
  • Unter George II. fand die letzte Enthauptung im Tower of London statt: Als der 80-jährige Lord Lovat hingerichtet wurde, starben 20 Zuschauer durch eine zusammenbrechende Tribüne.
  • George III. litt zeitweise an geistiger Verwirrtheit, vermutlich durch eine Stoffwechselstörung ausgelöst. Er sprach dabei manchmal stunden- oder gar tagelang ohne Pause.
  • Als George IV. noch Prinz von Wales war, verbreitete er Geschichten über seinen vom Wahnsinn befallenen Vater George III. und äffte ihn sogar nach. Der Prinz hoffte wohl, durch Entmündigung seines Vater schneller an die Macht zu kommen.
  • Ein Dichter, der sich in einem Gedicht über den übergewichtigen George IV. lustig gemacht hatte, wurde für zwei Jahre ins Gefängnis geworfen. Der nächste Dichter, der sich über die Figur des Königs lustig machte, war klug genug,seinen Namen nicht unter sein Werk zu setzen.
  • Zu jener Zeit hatte jeder Mann das Recht, seine Ehefrau zu schlagen – solange der verwendete Stock nicht dicker als sein Daumen war.

Bookmark the Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *