Heinrich VIII. – König, Tyrann, Idol

Heinrich VIII., König von England von 1509 bis 1547. Am 28.06.1491 erblickte im Palast  von Greenwich ein Herrscher das Licht der Welt, der eben diese nachhaltig prägen und trotz seiner Grausamkeiten zu einem Rockstar der Geschichte werden sollte.

 

Heinrich VIII. - König, Tyrann, Idol

Die meiste Bekanntheit dürfte Heinrich VIII. durch sein turbulentes Eheleben erreicht haben, und häufig hört man Aussagen, Heinrich VIII. sei doch „der, mit den vielen Ehefrauen, die er alle köpfen liess“. Während es auch Heinrich nicht so weit trieb, konnte man ihn kaum als Gutmenschen bezeichnen. Und dennoch war er nicht nur zu Lebzeiten bei seinem Volk ausgesprochen beliebt, sondern ist auch heute noch einer der bekanntesten und beliebtesten Könige, die England je beherrscht haben. Doch wer war Heinrich VIII., und was macht ihn nach mehr als einem halben Jahrtausend noch so faszinierend?

 

Heinrich VIII. und das Leben

Heinrich Tudor wurde als zweiter Sohn Heinrichs VII., dem ersten König der Tudor-Dynastie, geboren. Erst für eine kirchliche Laufbahn vorgesehen, wurde Heinrich nach dem frühen Tod seines älteren Bruders Arthur zum Thronfolger und bestieg schließlich 1509 den Thron. Zu jener Zeit war Heinrich 18 Jahre alt, groß, athletisch und galt als der schönste Prinz Europas.

 

Heinrich VIII. und die Kirche

Die Jahre zogen ins Land, und die ursprünglich sehr glückliche Ehe Heinrichs mit der spanischen Prinzessin Katharina von Aragon, der Witwe seines Bruders, litt zunehmend durch das Ausbleiben eines männlichen Erbens. Lediglich eine Tochter, die spätere Mary I. („Bloody Mary“), kam gesund zur Welt. Katharina, sechs Jahre älter als ihr Ehemann, verlor durch unzählige Schwangerschaften, Fehl- und Totgeburten ihren Reiz für Heinrich, der sich alsbald anderen Frauen und vor allem der Hofdame Anne Boleyn zuwandte. Jene gab sich jedoch mit der Rolle der Geliebten nicht zufrieden und wollte sich Heinrich nur hingeben, wenn er sie heiratete. Der bis dahin sehr kirchentreue Heinrich verlangte vom Papst die Annulierung seiner Ehe. Als dieser sich weigerte, sagte sich Heinrich von der katholischen Kirche los und ernannte sich selbst zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche, die bis heute Bestand hat. Er trennte sich von Katharina und heiratete Anne 1533.

 

Heinrich VIII. und die Frauen

Nach der immerhin mehr als 20 Jahre andauernden Ehe mit Katharina von Aragon begann ein bunter Hochzeits-Reigen.

Anne Boleyn, sich ihres rasanten Aufstiegs bewusst, machte sich Feinde am Hof. Zudem gebar auch sie, entgegen allen Beteuerungen im Vorfeld, Heinrich keinen Sohn, sondern nur eine Tochter (die als Elizabeth I. zu einer der grössten Königinnen Englands werden sollte). Heinrich wurde ihrer überdrüssig und hatte somit ein offenes Ohr für jene, die Anne des Ehebruchs (wahrscheinlich fälschlicherweise) anklagten. Nur drei Jahre nach der Hochzeit wurde Anne im Tower von London enthauptet.

Kurz darauf heiratete Heinrich Jane Seymour, wiederum eine Hofdame, auf die er bereits zu Annes Lebzeiten ein Auge geworfen hatte. Jane lernte aus Annes Schicksal so gut es ging und spielte die Rolle der demütigen, bescheidenen Gattin. Sie erreichte zudem, was ihren Vorgängerinnen versagt blieb und schenkte Heinrich 1537 einen Sohn. Sie starb anschließend am Kindbettfieber.

Die Trauer und zunehmend schlechte Gesundheit sorgten in der kommenden Zeit für die Körperfülle, für die Heinrich VIII. so bekannt geworden ist. Erst 1540 konnte er zu einer erneuten Ehe bewegt werden, diesmal mit der deutschen Herzogsschwester Anna von Kleve. Diese arrangierte Ehe mit der Heinrich zuvor gänzlich unbekannten Braut scheiterte jedoch daran, dass Anna Heinrich nicht gefiel, er sie angeblich als „flandrische Mähre“ bezeichnete (was ihm vermutlich in den Mund gelegt wurde). Doch auch Anna hatte ihre Hausaufgaben, was Heinrichs bisherigen Ehen betrafen, gemacht, und so zeigte sie sich kooperativ, als Heinrich eine Scheidung anstrebte. Nach nur einem halben Jahr wurde die Ehe geschieden, und Anna durfte sich als „des Königs geliebte Schwester“ weiterhin in England in allen Ehren aufhalten.

Erneut heiratete der 49-jährige Heinrich noch im gleichen Jahr eine Hofdame, die noch nicht einmal 20-jährige Katherine Howard. Doch die junge Königin flüchtete sich schnell in eine Affäre mit einem Kammerherren Heinrichs, und so endete 1542 auch ihr junges Leben frühzeitig auf dem Richtblock des Towers. In der dortigen Kapelle ruht sie bis heute neben Anne Boleyn, ihrer Cousine.

Heinrichs Gesundheit verfiel zusehends, vermutlich durch Diabetes, und seine letzte Ehefrau Catherine Parr diente mehr als Krankenschwester und Ersatzmutter denn als Ehefrau. Heinrich VIII. starb 1547 und hinterließ ein Reich in religiösem und wirtschaftlichem Chaos.

Heinrich VIII. und die Gegenwart

Im Jahr 2009 jährte sich Heinrichs Thronbesteigung zum 500. Mal, und die ehemals königlichen Paläste Englands feierten dieses Ereignissen mit zahlreichen Events, wie z.B. einem von einem Reenactor dargestellter Heinrich VIII. nebst Hofstaat, der bis heute durch Heinrichs Lieblingspalast Hampton Court bei London flaniert. Die vielbeachtete Fernsehserie „Die Tudors“ mit Jonathan Rhys Meyers in der Hauptrolle war zwei Jahre zuvor angelaufen.

Heinrich VIII. wurde im Lauf seines Lebens von einem Märchenprinz zu einem Monster. Egomanisch, eitel, paranoid und grausam schreckte er vor keinem Mittel, seine Ziele zu erreichen, zurück. Er verstieß Ehefrauen und Berater und überantwortete sie nicht selten dem Tod. Er ließ die englischen Klöster auflösen und plündern und trieb sein eigenes Volk in den Aufstand, versprach den Aufrührern Begnadigung und ließ sie grausam hinrichten. Auf dem Weg zu einer eigenen Identität vertrat seine Kirche mal protestantische, mal katholische Ideale, und die jeweiligen Gegner mussten um ihr Leben fürchten. Seine Tochter Mary, jung von der geliebten Mutter getrennt und zum Bastard erklärt, wuchs in Einsamkeit, Bitterkeit und Gefahr auf. Die glühende Katholikin verbrannte nach ihrer Thronbesteigung hunderte Protestanten auf dem Scheiterhaufen. Seine Tochter Elizabeth, die ihre Mutter im Alter von nicht einmal drei Jahren an Heinrichs Henker verlor, und die mit acht Jahren erleben musste, wie auch Heinrichs fünfte Frau den Gang zum Schafott antrat, ging zeit ihres Lebens nie eine Ehe ein.

Was macht nun die Faszination dieses Mannes aus? Er lebte in einer Zeit des Wandels und hatte seinen Anteil daran. Er ging seinen eigenen Weg und räumte jedes Hindernis gnadenlos aus dem Weg. Sein Leben, sein Wirken und nicht zuletzt seine Ehen bieten Stoff für tausende Bücher und Filme, seien sie nun historisch korrekt oder frei ausgelegt. Auf ihn wurden bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts Werte und Themen der jeweiligen Zeit projeziert. Und nicht zuletzt hatte er eine gewisse „Larger than Life“-Persönlichkeit, durch die man auch heutzutage so mancher Prominenz einen alles andere als fortbildlichen Lebenswandel verzeiht.

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