Historisch korrekt? Faktencheck „Vikings“ (Gastbeitrag)

„Vikings“: Die Serie um den legendären Wikingerkrieger Ragnar Lothbrok stammt aus der Schmiede des History Channel. Deswegen muss es doch historisch korrekt sein, oder? Oh nein. Obwohl ich die Wikingerzeit spannend finde, ist es wahrlich nicht mein Spezialgebiet. Deswegen übergebe ich im heutigen Faktencheck das Wort an Philipp Roskoschinski, der sich wesentlich besser auskennt und „Vikings“ auf die historische Probe stellt:

Historisch korrekt? Faktencheck "Vikings" (Gastbeitrag)

„Vikings“. Oder: Wie Filmproduzenten aus Hollywood-Sehgewohnheiten Geschichte machen

Die Serie startet „Eastern Baltic, 793 A.D.“. Ein Däne, unser strahlender Hauptheld, steht mit moderner Szene-Frisur (an den Seiten ausrasiert, auf dem Kopf lang und hinten zum Zopf gebunden) auf einem Schlachtfeld. Gegen wen er kämpft, warum er dort ist oder wie er dort hingelangte, erfährt man weder jetzt, noch später. Er hat den Kampf gerade überstanden, seine strahlend blauen Augen blitzen noch vor Freude, an ihm klebt das Blut seiner Feinde. Die Kleidung unseres Dänen sagt nichts über den zeitlichen Hintergrund der Szene aus. Er trägt irgendwelche auf alt getrimmten Lederklamotten, die wahrscheinlich seit einigen Jahrzehnten reihum in „historischen Produktionen“ eingesetzt wurden, bei denen es gilt, „Barbaren“ darzustellen. Das ist aus der Sicht des Filmausstatters sicher vorteilhaft, mit diesen Kleidungsrequisiten werden Germanen, Wikinger, Sachsen (King Arthur), Kelten und sonstige undefinierte Räuber seit jeher eingekleidet – und für MadMax war das Zeug bestimmt auch brauchbar.

Historisch korrekt? Faktencheck "Vikings"Nun wird unser Held angegriffen. Ein irgendwie zerzauster und bärtiger Mann läuft herbei und hackt wild auf unseren Dänen ein, welcher, ganz virtuoser Krieger der er ist, den bärtigen Mann lächelnd und mühelos niederstreckt. Der bärtige Angreifer trägt ebenfalls einen Klassiker der barbaresken Requisite – eine Art Lederrüstung, bestehend aus einem Hemd, auf das mit Hohlnieten quadratische Lederstücken aufgenietet wurden. Interessant am Rande: Während des Kampfes wechselt die Bekleidung des Angreifers zwischenzeitlich zweimal kurz. In zwei Einstellungen, bei denen die Kämpfenden in einer entfernteren Totale gezeigt werden, trägt er plötzlich ein Kettenhemd. Wow. Fliegender Rüstungswechel im laufenden Kampf! Das Schwert, mit dem unser rüstungswechselnder Angreifer schließlich erstochen wird, ist eine merkwürdige Fantasierequisite, die eher an antike Schwertformen gemahnt, denn an wikingerzeitliche. Die ganze Szene ist in ihrer Requisitenausstattung so grauenvoll, dass der geneigte Zuschauer sich entspannt zurücklehnen könnte, und den nun folgenden Fantasyfilm einfach genießen. Aber weit gefehlt: „Vikings“ präsentiert sich selbst folgendermaßen: „The HISTORY® original series Vikings transports us to the brutal and mysterious world of Ragnar Lothbrok (Travis Fimmel), a Viking warrior and farmer who yearns to explore — and raid — the distant shores across the ocean. (http://www.history.com/shows/vikings/about)”. Ah ja. Ganz klar wird in der Präsentation der Eindruck erweckt, der HISTORY Channel zeige uns hier eine fundierte Unterhaltungsserie über die wilde Zeit der wilden Wildinger. Wikinger meine ich. Und wie nach der Eröffnung zu erwarten war – die mediale Katastrophe nimmt ihren Lauf.

„Vikings“ und der Wikingeralltag

Glücklicherweise sind der Hauptheld Ragnar und sein Freund die einzigen beiden Überlebenden der großen Schlacht (von allen Teilnehmern auf beiden Seiten). Ragnar sieht vor seinem inneren Auge noch, wie Odin über das Schlachtfeld schreitet und einen gefallenen Krieger, gekleidet in ein Rüstungsutensil, welches aus Lederriemen, Stahlringen und Kegelnieten besteht (und wohl besser zu einem Sado-Maso-Fotoshooting gepasst hätte) nach Valhalla empor hebt. Und schon geht es zurück nach Hause (wie die beiden nur zu zweit ein ganzes Schiff segeln, bleibt unerklärt). Dort angekommen wird alltägliches Leben gezeigt. Ragnars Frau und Tochter fischen, während Ragnar mit seinem Sohn den Kampf übt. Die Darstellung des Kampftrainings von Jugend an ist zu begrüßen. Die Gegend, eine norwegisch anmutende Fjordlandschaft mit hohen und schneegipfeligen Bergen, jedoch nicht, da es sich ja bei Ragnar Lodbrok um einen Dänen handeln soll. Aber Fjorde gehören bei Wikingern eben dazu, dass weiß der Produzent ganz genau.

Fröhlich und in Leder und Felle gekleidet (Barbaren eben) geht Ragnar nun mit seinem Sohn zum Thing. Dort will er den „Earl“ fragen, wohin die nächsten Raubzüge gehen sollen. Nein, wir haben uns nicht verhört. Der Herr des Dorfes, dass übrigens Kattegatt (!!) heisst (eigentlich ein Meeresgebiet zwischen Dänemark und Schweden), trägt tatsächlich einen englischen Adelstitel. Zwar mag es sein, dass der Titel „Earl“ sich aus dem dänischen „Jarl“ entwickelte – 793 ist dies jedoch abwegig und einfach totaler Nonsens. Wie der Name des Dorfes. Aber Kattegatt klingt so schön skandinavisch. Zu Hause wird Ragnars Frau zwischenzeitlich von zwei vagabundierenden Lüstlingen in ihrem eigenen Hause überfallen und streckt die beiden mühelos und waffengewandt nieder. Das kostet sie nicht mal einen Schweißtropfen. Gegendert ist die Serie also auch. Was will das Herz mehr?

Wissensstand ist relativ

Authentischer als "Vikings"!

Aus dem Buch: „Vikingar i Krig“ by Kim Hjardar (Author), Vegard Vike (Author), Charlotte Hedenstierna-Jonson (Author), 2013

Im Dorf angekommen, präsentiert Ragnar seinem Freund Rollo einen magischen Gegenstand: einen Kompass! Eine hölzerne, schwimmende Sonnenscheibe zeigt im Licht durch einen Schattenwurf die Richtung. Und nun kommt es: Wenn die Sonne nicht scheint, gibt es einen magischen Stein, durch den trotzdem Licht fällt, wenn man ihn vor die Wolken hält. Solch ein Sonnenkompass mit Polarisationsfilter (Sonnenstein) wird in spätwikingerzeitlichen Schriftquellen verschiedentlich erwähnt, archäologische Nachweise gibt es jedoch nicht. Experimente ergaben, dass bei vollständig bedecktem Himmel, Schneetreiben o.ä. ein solcher Polarisationsfilter auch nichts nutzen würde. Dennoch ist die Einführung dieses sagenumwobenen Sonnensteines in eine Unterhaltungsserie legitim – allerdings nicht zum hier in der Serie benutzten Zweck. Die Produzenten wollen den Zuschauer nämlich glauben machen, nur mit diesem Artefakt könnten die Dänen westlich nach England segeln. Ein sagenumwobenes Land, das noch kein Skandinavier je gesehen hätte. Und nicht nur das – alle halten es für unmöglich nach Westen zu segeln, das Meer sei dort endlos! Und Land gäbe es dort nicht! Wir sehen also, dass die Geschichte des Kolumbus ihren Ursprung im Dänemark des späten 8. Jahrhunderts hatte. Es rollen sich die Fußnägel. Bereits das Nydam-Schiff, das etwa um 320 datiert und damit 500 Jahre vor dem Beginn der Wikingerzeit, war hochseetauglich. Der englische Grabfund von Sutton Hoo (7. Jahrhundert) zeigt deutliche skandinavische (vendelzeitliche) Einflüsse. 742 plünderten Skandinavier bereits das vor der schottischen Küste gelegen Burghead Fort. Die Beispiele ließen sich lang fortsetzen. Die skandinavische Welt war 793 längst mit der Existenz der britischen Inseln vertraut. Nur in Kattegatt wusste man offenbar nichts davon. Der „Earl“, welcher in Kleidung und Erscheinung wie ein hochmittelalterlicher Adliger und Lehnsherr Hof hält, glaubt jedenfalls nicht an die Existenz der britischen Inseln und verbietet Fahrten dorthin (weil offensichtlich, in krassem Mißverhältnis zu den überlieferten wikingerzeitlichen Sozialverhältnissen, der „Earl“ der Chef von Allem und Jedem ist). Dies sei alles Fantasterei. Also ziehen Ragnar und seine Gefolgsleute heimlich allein los gen Westen – um England zu entdecken.

Nun braucht Ragnar ein Schiff. Daher besucht er den Bootsbauer Floki, welcher an den Berghängen der Fjorde lebt. Ragnar bringt ihm noch einen Batzen Geld für einen eisernen Anker und freut sich auf sein neues Wellenpferd. Zwischenzeitlich erfahren wir noch, dass Ragnars Freund Rollo in Ragnars Frau verliebt ist, ein dramatisches Charakterzerwürfnis deutet sich bereits an, zumal Rollo es auch ablehnt, sich jemals Ragnars Kommando zu unterstellen, sondern ihm ebenbürtig zu sein verlangt. Reichlich narrativer Zündstoff also. Und dann schwimmt auch schon Ragnars neues Schiff auf dem (dänischen ?!) Fjord, beobachtet von einem Schergen des „Earls“.

Das „Vikings“-Fazit

Das war die erste Folge der ersten Staffel der vielgerühmten Fernsehserie „Vikings“. Was bleibt? Eine Filmproduktion, die nahezu alle Erkenntnisse der modernen Archäologie und Geschichtswissenschaften außen vor lässt. Erbärmliche Requisite, völlig falsche Darstellungen skandinavischer Sachkultur, skandinavischen Wissensstandes und skandinavischer Sozialkultur der frühen Wikingerzeit – schlimmer geht es bald nicht mehr. Natürlich soll eine Fernsehserie unterhalten. Natürlich kann nicht jedes Stück Requisite eine exakte Replik archäologischer Funde sein. Aber mit diesem Machwerk zeigen die Produzenten, dass sie sich ihrer Verantwortung der Produktion einer als nur teilfiktional angepriesenen Fernsehserie in keiner Form bewusst sind. Falsche Informationen werden sich bei den Zuschauern festsetzen und dort falsches Wissen vortäuschen – Bilder sind ein mächtiges Medium. Insgesamt schade und sehr traurig, denn probate Requisite wäre nicht teurer als Fantasyklamotten und auch mit guten geschichtlichen Informationen ließe sich ein spannender Plot weben. Fazit: Total daneben.

 

Philipp Roskoschinski, Jahrgang 1978, ist Prähistorischer Archäologe und langjähriger aktiver Living-History-Darsteller. Er berät und stattet historische Medienproduktionen aus und ist schriftstellerisch tätig. Daneben arbeitet und forscht und fach-publiziert er auf dem Gebiet der Archäologie der nördlichen Elbslawen und des frühmittelalterlichen Ostseeraumes.

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14 Kommentare

  1. Der Artikel beschreibt sehr gut auch unsere Meinung zu dieser pseudo „Wikinger Serie“. Falsche Informationen, darstellungen und erbärmliche Requisite trifft den Nagel genau auf den Kopf!

  2. Danke für die Informationen! Ich möchte ihren Wissenstand durchaus nicht bestreiten.. Nur möchte ich gerne anmerken, dass die Rolle Laugherta´s in der Serie nichts mit „gegendert“ zu tun hat, sondern laut nordischer Sagen (und auf diesen basiert Ragnar Lodbrok, dessen tatsächliche Existenz nicht 100 %-ig erwiesen ist) war seine erste Frau eine Schildmaid, also eine Kämpferin. So finde ich also diesen Aspekt durchaus korrekt in der Serie, und nicht zu bekriteln. Man soll bei allem REspekt den ich vor Wissen und Geschichtskenntnissen habe, dann bitte nicht übers Ziel hinausschießen. Geschieht schnell, wenn man sich erstmal in Rage geschrieben hat, wie mir scheint.

    • Vielen Dank für den Kommentar. Mitnichten habe ich mich bei dieser Rezension „in Rage“ geschrieben. Ganz im Gegenteil. Dies aber nur am Rande. Es ist richtig, dass im Saga-Stoff Ragnar Lodbroks erste Frau Lathgertha als kämpfende Frau beschrieben wird. Dennoch ist mir die Darstellung in der Serie zu zeitgeistig und plakativ gegendert. Das gilt bspw. auch für die Szene, als Ragnar und Lagertha den Priester zu einem Dreier einladen wollen, eine Szene, die ich als wirklich unpassend und aufgesetzt empfinde. Das ist lediglich mein persönlicher Eindruck der filmischen Umsetzung des Themas in dieser spezifischen Serie. Das emotional stark aufgeheizte Thema der kämpfenden Frauen in der nordischen Frühgeschichte und des Aufbrechens von überkommenen Rollenmustern in der archäologischen Interpretation möchte ich hier allerdings nicht weiter besprechen, da dies zu weit führt und auch in der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion häufig lediglich unter emotionalen Gesichtspunkten geführt wird.

  3. Kann es nicht vielmehr sein, dass die Wikinger tatsächlich freizügig in sexuellen Dingen waren, so mancher Kommentarschreiber hier jedoch zu prüde erzogen wurde? 🙂 Nun, dies sei mit einem Augenzwinkern vermerkt.. Und „gegendert“ ist ein solches Unwort, das es mir die Nackenhaare sträubt. So wie Ihnen bei den Vikings-Requisiten. Kommen Sie mit einer kämpfenden Frau nicht klar?

    Sie müssen nicht antworten, ich wollte diese Sätze einfach nur noch loswerden.

    Geschichtlich kann ich die Wikinger natürlich nicht so gut wie Sie beurteilen. Ich kenne mich im alten Ägypten besser aus. 🙂

    Einen schönen Tag noch.

  4. Ja, liebe Verena. Sie haben mich durchschaut. Ich bin ein prüder Chauvinist :). Nachdem dieses nun geklärt ist, steht die Motivation meiner Rezension ja außer Frage ;).

    Ebenfalls einen schönen Tag 🙂

  5. soo…zwar etws spät aber ich muss nun auch mal meinen senf dazu geben, da ich mich auch mit der geschichte der nordmänner etwas beschäftige.

    als erstes viel mir die falschausage mit rollo auf , das ist ragnars bruder , nicht freund.(Serie vielleicht mal in ruhe schaun um kein wischwasch zu erzählen)
    über die lederklamotten ist zu sagen das sie so warscheinlich nicht aussahen aber dennoch zumindest im kampf leder getragen wurde.
    wofür es auch funde gibt.
    desweiteren wurde auch ein sonnenkompass gefunden, wenn auch nur eine halbe scheibe. sie wurde von mehreren kapazitäten auf dem gebiet also solcher interpretier. und auch die sache mit dem sonnenstein funktionierte bedingt. wurde auch in einer doku belegt. und auch frauen werden wohl gekämpft haben. siehe grabfunde des oseberg grabs in dem ja bekanntlich nur 2 frauen gefunden wurden nebst schwerter und anderen waffen und grabbeigaben. ich behaupte jetzt einfach mal das sie wahrscheinlich als frauen keine waffen beigaben bekommen hätte wenn sie nicht in der lage gewesen wären diese auch zu führen.

    das die serie historisch sehr fiktiv ist , dessen bin ich mir natürlich bewust…aber wenn schon so gut wie alles an der serie runter gemacht wird sollte man sich auch bissi an die belegbaren fakten halten.

    • Lieber Andreas, dann beginn doch mal mit Belegen.
      Also Beleg im Sinne nachprüfbare Quelle!

    • Hallo,

      mich würden die „Schwerter und anderen Waffen“ aus dem Oseberg-Schiff brennend interessieren.
      Finde dazu nichts.

      MfG

    • Im Kampf wurde sogar ganz sicher Leder getragen. Damals gabs nämlich nur Schuhe aus Leder.

  6. Mal meine 50cent:

    Unterhaltungstechnisch: große Klasse. Ob es nun daran liegt Fehler zu finden und bei jedem Fehler was zu trinken oder ob man die Serie als Fantasy-Setting annimmt und einfach zum Amüsement schaut ist hierbei gleichgültig.

    Historisch gesehen schmerzt es häufig…
    Ich möchte hier keine Debatte über Casting oder ähnliches lostreten, ein CK-Unterwäschemodell ist großartig in Lederklamotte
    Allerdings hätte man mit dem Budget auch schöne Wollklamotte und geeignetere Schwerter finden können.
    Ich wusste für meinen Teil auch nicht, dass zB Haithabu in den Bergen liegt, aber man lernt ja nie aus.

    Leider (!) ist das mit den Quellen und den Belegen immer so eine Sache.
    Immer mehr Archäologen scheinen sich in ein gepflegtes Understatement-Unternehmen einzugliedern, was Wissen angeht.
    Natürlich wissen wir, dass sich durch neuere Funde häufig sogenanntes altes Wissen als „falsch“ oder besser „unzureichend“ oder „fehlerhaft interpretiert“ eingestuft wird.
    Scheinbar trauen sich deshalb viele Archäologen nicht mehr Klartext zu schreiben oder flüchten dich in Phrasen wie: „wir können nicht sagen, wie es wirklich war“
    Warum kann man nicht einfach einleiten mit zB:
    „Nach dem heutigen Wissensstand/Forschungsstand ist es unwahrscheinlich, dass früher beim Kämpfen ein Lederhemd getragen wurde“ (nur als Beispiel)

    Wieso eine so hochkarätige Produktion oder zumindest eine Produktion, welche sich selbst so hoch einschätzt keine professionelle Hilfe in Anspruch nimmt und zB jemand dafür einstellt, der auf Ausrüstung/Ausstattung/Setting achtet…
    Aber DA kommt dann zumeist der protestierende Aufschrei wegen Kosten und auch wegen der Einschaltquoten.
    Ich verstehe nur nicht, weshalb die Requisite nicht eine durchaus kostengünstigere Alternative wählt und mit zB Stoffkitteln (sorry aber eine TUNIKA ist ein antike Tracht…) und je nach Region und Zeit mit Hose oder Bruche-Beinling-Kombination kombiniert hat man auf einmal viel mehr Klamotten um seine Darsteller auszustatten.

    Einer meiner Favoriten in der Ausrüstung ist jedoch ein „Kettenkragen“, welcher diese Bezeichnung nur deshalb verdient, weil er aus Kloketten oder aus den Ketten um einen Stöpsel im Waschbecken zu ziehen besteht.
    Die Herstellungszeit dürfte ähnlich der eines normalen Kettenkragens sein, WIESO (???) sollte man dann auf ein reines Fantasy-Deko-Stück zurückgreifen, wenn es zum gleichen Preis oder auch mit der gleichen Mühe eine historisch praktikablere und stimmigere Lösung gibt?

    Dinge, die ich nicht verstehe…

  7. Ich möchte auch gerne etwas zu der Diskussion beisteuern.

    Zunächst sind wir uns alle einig, dass die Serie es mit der Darstellung einiger historischer Fakten nicht genau nimmt, wie Sie es an einigen Stellen aufgezeigt haben. Allerdings sind mir sofort zwei Kommentare von Ihnen aufgestoßen, die Sie beiläufig süffisant einfließen lassen. Zunächst mal der Rüstungswechsler. Ich keiner von Ihnen beschriebenen Szene sieht man den Rüstungsewechsel in der Halbtotalen. Das ist die gleiche Kleidung nur in einer anderen Belichtung. Schauen Sie sich die entsprechende Szene bitte nochmal genau an.
    Auch der Begriff des „Earls“ ist nur in der deutschen Synchronisation zu finden. Im O-Ton nennen die „Wikinger“ den Typen tatsächlich Jarl. Demnach ist es ein Fehler des deutschen Synchronisationsstudio und nicht von den Machern der Serie. Ihnen als renommierten Archäologen und als Hobbyhistoriker (nicht böse gemeint) brauche ich Ihnen den Umgang mit einer Quelle wohl nicht zu erläutern(für die Mitleser: Archäologen und Historiker sind unterschiedliche Berufe, die sich gegenseitig unterstützen).
    Zu den historischen sozialen Umständen kann ich mich nicht genau äußern, da mein Forschungsgebiet ein anderes ist. So wie Sie den Kommentarschreiber gefragt haben, ob er Quellenbelege hat, frage ich Sie auch: Können Sie Ihre weiteren Ausführungen bitte mit Quellen belegen, wie es in der Wissenschaft üblich ist? Wie sie schon geschrieben haben, sollen sich keine falschen Informationen beim Leser einschleichen…auch Buchstaben sind ein sehr mächtiges Medium!

    MFG Pekki

  8. Hallo Herr Roskoschinski,
    erstmal vielen Dank für Ihren gut recherchierten Beitrag.

    Da ich ein großer Fan der Vikings Serie bin, finde ich es schon fast erschreckend, welch vernichtendes Fazit Sie ziehen. Gut, ich muss zugeben, mir war nicht bewusst, wie wenig realistisch die Darstellung der skandinavischen Kultur ist, dies ist aber sicher auch meinem mangelnden Fachwissen in diesem Gebiet geschuldet. Trotzdem habe ich beim Genuss der Serie immer das Gefühl, etwas authentisches vor mir zu haben, was mein Bild aus der Wikingerzeit bestätigt. Vergleichbare Serien und Filme zeichnen ähnliche Bilder, vielleicht ist das ja ein generelles Problem.

    Für mich steht definitiv der Filmgenuss im Vordergrund und den finde ich in der Vikings Serie sehr wohl. Da braucht es nicht unbedingt exakt recherchierte Fakten. Und da ich mich auf Seiten wie dieser hier über die „wahren Begebenheiten“ informiere, verfestigt sich auch nicht unbedingt ein falsches Bild bei mir, wie Sie es in ihrem Beitrag befürchten.

    Vielleicht urteilen Sie nicht mehr ganz so hart, wenn bald die vierte Staffel erscheint – eventuell haben die Produzenten ja dazugelernt wenn es um die Verwendung historischer Fakten geht 🙂

    Viele Grüße
    Ralph

  9. Darf ich auch ? Diese film/serien fehler suche…natürlich ist es in vielen kleinigkeiten nicht historisch korrekt! Wie auch.. war einer von uns da ? Die macher ? Unsere hobbykritiker ? Die Übersetzer ? Historiker? „Earl“…Das was ihr versucht zu kritisieren ist die deutsche ausprache des wortes „jarl“ jiarl earl iarl wie auch immer man das in lautschrift schreibt. Geht davon aus, dass es sowieso damals mit einem „dialekt“ ausgesprochen wurde den heute keiner mehr kennt. Also wird selbst die heutige original version wird von dem damaligen original wort abweichen. Nein ich kann nichts beweisen. Wie auch ? Ich will nur augen für einen anderen blickwinkel öffnen.. zum thema „funde und beweise“ stellt euch mal vor einer von euch würde irgendwann beim wandern umkommen. Natürlich hatte besagter seine festesten lederschuhe an ..nun wird diese person 1500 jahre später gefunden von sand konserviert… oh oh das war bestimmt einer dieser wikinger weil guck! er hat lederschuhe an!! Darauf der andere ne die haben doch nur fell getragen…
    das eine schliesst das andere doch nicht aus oder ?… die liefern sich in der zukunft bestimmt harte diskussion darüber wie es war versicherungsvertreter zu sein oder handyfachverkäufer und in deren filmen sind die handys rund statt eckig wie wir sie kennen.. so war das, sagen die zukunftsmenschen, .. 2018 wurde der letzte wikinger gefunden, WEIL ER HAT LEDERSCHUHEN AN DEM FÜSSEN. Also waren die letzten von ihnen noch anfang des 20.jahrhunderts unterwegs.
    Ich persönlich, ist wirklich nur meine meinung, glaube das viele „interpretationen“ der funde nur in den köpfen der forscher und historiker enstehen. Und wer seine idee am logischten, manchmal auch das gegenteil, erklärt wird geehrt.
    Abschliessend finde ich vikings gut und kreariv umgesetzt. Auch wenn unser gute ragnar vielleicht nicht im 7.jahrhundert sondern früher oder auch nie gelebt hat. Im groben und ganzen fand ich es sehr überzeugend und unterhaltsam.
    Ich hoffe ich hab nicht zu verwirrend geschrieben.
    Allen einen Guten tag!

  10. Irre ich mich oder ist das Steuer der Drachenschiffe auf der falschen Seite? Immer kommt die Ruderpinne von Links, also Backbord – müsste das Steuer nicht rechts sitzen ? Wenn die Produzenten schon so viel Geld investieren kann man doch auch auf dieses Detail achten. Aber auch als Reenacter und Birka-buch Leser muss ich zwar sagen am historischen Fundament fehlt es an allen Ecken und Enden , aber vom Unterhaltungswert ist die Serie garnicht schlecht. Es ist nur schade das der gemeine Zuschauer nie erfahren wird das der dänische/schwedische und norwegische wikinger je anders gekleidet waren und auch alle eine etwas andere kultur hatten und nicht nur in Leder klamotte gehüllte Schlächter waren.

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