Im Jahr 2000 legte Ridley Scott mit “Gladiator” eine epochale Renaissance des Sandalenfilms hin, passend zur Renaissance des (eher wenger als mehr authentischem) Period Dramas im Blockbuster-Kino, die “Braveheart” eingeleitet hatte und dem noch zahlreiche Filme wie “Königreich der Himmel” und “Troja” folgen sollten.
Erzählt wurde die Geschichte des römischen Feldherrn Maximus Decimus Meridius (Russell Crowe), treuer Anhänger des Kaisers Marc Aurel. Verraten durch dessen Sohn, in Sklaverei geraten und an eine Gladiatorenschule verkauft. In der Arena kämpft Maximus nun um sein Leben und seine Rache.
Eigentlich sollte der Film das antike Rom, so wie es wirklich war, zeigen. Doch noch während des Drehs kündigte einer der historischen Berater, und einer wollte schlussendlich nicht mehr im Abspann genannt werden. Nun ja.
2024 versuchte Ridley Scott es dann nochmal mit der Fortsetzung “Gladiator II”. Und wenngleich Größen wie Denzel Washington und Pedro Pascal für ihre schauspielerischen Leistungen gelobt wurden, fuhr der Film durchwachsene Kritiken, aber kommerziell durchaus Erfolg ein. Aber zur Überraschung von absolut niemandem hat Ridley “Get a life” Scott auch bei der Fortsetzung auf die reale Geschichte eher unterdurchschnittlich geachtet.
Faktencheck “Gladiator”
Als Commodus nach Rom zurückkehrt, wird er innerhalb der Stadt auf einem riesigen, offenen Platz willkommen geheißen. Ein solcher Platz existierte innerhalb der Mauern von Rom nicht.
Dass Marc Aurel für seine Thronfolge seinen leiblichen Sohn übergangen und einen nicht blutsverwandten Feldherren begünstigt hätte, ist nicht nur unkorrekt, sondern auch unrealistisch. In Wahrheit wurde Commodus bereits fünfjährig zum offiziellen Thronfolger erklärt und war bei Marc Aurels Tod schon seit drei Jahren Mitherrscher.

Commodus hat seinen Vater nicht ermordet, denn Marc Aurel starb im Jahr 180 an der Pest.
Anders als zu Beginn von “Gladiator” behauptet, hat Rom “ganz Germanien” niemals erobert. Auch wurde Rom nicht, wie von Marc Aurel behauptet, als Republik gegründet.
Römische Legionen befestigten ihre Lager stets; sie schlugen niemals auf offenem Gelände ihr Lager auf.
Das Kolosseum trug diesen Namen zur Zeit, in der der Film spielt, noch nicht. Dieser Name kann erst ab dem 8. Jahrhundert belegt werden.
Ausrüstung und Kleidung entstammen in “Gladiator” zu einem großen Teil der Fantasie oder anderen Epochen. Die Gladiatoren tragen Rüstungen unterschiedlicher Epochen und Waffen aus dem Mittelalter, Maximus’ Helm ist ein Fantasiegebilde, die Germanen scheinen sich bei der Kleidung der Steinzeit bedient zu haben und der Thron des Commodus ist eine Kopie des Throns von Napoleon.

Auch wenn der historische Commodus sich gelegentlich als Gladiator versuchte: Er starb nicht in der Arena, sondern im Bad, wo er von dem Ringer Narcissus erwürgt wurde. Auch regierte er nicht so kurz wie im Film angedeutet wird, sondern ganze zwölf Jahre.
Der Name Maximus Decimus Meridius sollte vorrangig gut klingen und war von der römischen Namensgebung her kompletter Unsinn. Die korrekte Reihenfolge wäre Decimus Meridius Maximus.
In der Schlacht gegen die Germanen in “Gladiator” hat Maximus einen deutschen Schäferhund dabei – mehr als 1600 Jahre, bevor das erste Exemplar gezüchtet wurde.
Die berühmte Geste mit Daumen rauf/Daumen runter, mit der der Imperator angeblich das Schicksal des unterlegenen Gladiators entschied, hat es historisch in dieser Art und Weise nie belegbar gegeben.
Es wird angedeutet, dass der Tod von Commodus Frieden für Rom und eine Rückkehr zur Römischen Republik bringt. In Wirklichkeit leitete er jedoch einen chaotischen und blutigen Machtkampf ein, der im “Zweiten Vierkaiserjahr” 193 n. Chr. gipfelte, wie im Vorspann des zweiten Films erwähnt wird.
Faktencheck “Gladiator II”
Es wird angedeutet, dass Lucius als Thronanwärter eine reale Chance auf die Herrschaft über Rom gehabt hätte – in Wirklichkeit war der Thronfolgeprozess zu dieser Zeit wesentlich komplizierter und von politischen Intrigen geprägt. Im Film scheint Lucius, der Sohn von Lucilla, als legitimer Anwärter auf den römischen Kaiserthron dargestellt zu werden. Historisch betrachtet war die Nachfolge jedoch kein linearer oder klar geregelter Prozess, sondern ein gefährliches Machtspiel. Der Thron ging meist an denjenigen, der sich gegen Rivalen im politischen, oftmals auch militärischen Machtkampf durchsetzte – Erbfolge spielte oft nur eine untergeordnete Rolle.
Zur Zeit von Caracalla und Geta (frühes 3. Jahrhundert) war das Kaisertum längst nicht mehr erblich abgesichert. Das Militär, besonders die Prätorianergarde, hatte entscheidenden Einfluss darauf, wer Kaiser wurde. Und wenn ich “Einfluss” sage, meine ich damit oft genug Waffengewalt und Mord.
Caracalla und Geta waren keine Zwillinge. Caracalla war etwa ein Jahr älter als sein Bruder.

Der Vater von Caracalla und Geta kam aus dem heutigen Libyen, die Mutter aus Syria (heute Israel/Libanon). Die beiden Kaiser haben sehr wahrscheinlich eine deutlich dunklere Hautfarbe gehabt als ihre Schauspieler Joseph Quinn (Engländer) und Fred Hechinger (US-Amerikaner). Das hätte auch das stellenweise verwendete weiße Make-up nicht geändert.
Zu jener Zeit gab es noch keine Megafone. Auch keine rein mechanischen. Das erste (rein mechanische) Gerät dieser Art wurde erst Ende des 17. Jahrhundert erfunden.
“Gladiator II” bezieht sich ganz zu Anfang des Film gleich auf das Jahr 196, also 16 Jahre nach dem Tod von Marc Aurel. Zu dieser Zeit waren die historischen Figuren Caracalla und Geta erst etwa sieben bzw. acht Jahre alt. Ihr Vater, Septimius Severus, regierte im Jahr 196 n. Chr. noch 15 weitere Jahre bis zu seinem Tod über Rom.

Die historische Lucilla wurde im Jahr 181 oder 182 n. Chr. hingerichtet, also etwa 15 Jahre vor den im Film dargestellten Ereignissen. Zudem hatte sie zwar einen Sohn namens Lucius Verus, doch dieser starb noch während der Herrschaft von Commodus.
Macrinus hingegen wurde erst im Jahr 217 römischer Kaiser. Er war in die Verschwörung verwickelt, bei der Caracalla ums Leben kam, tötete ihn jedoch nicht persönlich. Er herrschte für 14 Monate und betrat Rom während seiner Regentschaft kein einziges Mal.
Numidien wurde mehr als 200 Jahre vor den im Film gezeigten Ereignissen durch die Zusammenlegung der Provinzen Africa nova und Africa vetus zur Provinz Africa proconsularis. Der historische Jugurtha wurde noch einmal rund 100 Jahre davor als Kriegsgefangener in Rom in einem Triumphzug gezeigt und anschließend hingerichtet.
Und auch hier: Es ist nicht eindeutig belegt, dass ein erhobener Daumen tatsächlich den Befehl zur Begnadigung des unterlegenen Gladiators gab. Die populäre Vorstellung, dass ein nach unten gerichteter Daumen den Tod forderte, stammt wahrscheinlich von dem Gemälde “Pollice verso“, das erst im späten 19. Jahrhundert entstanden ist. Es gibt Hinweise darauf, dass die Geste, wenn sie überhaupt existierte, eher eine kompliziertere Bewegung war oder dass der Kaiser oder das Publikum andere Worte oder Gesten benutzten, um den Ausgang des Kampfes zu bestimmen
Wenngleich zur Einweihung des Kolosseums um das Jahr 80 nachweislich nachgestellte Seeschlachten, sog. Naumachien, veranstaltet wurden, war dies bereits einige Jahre später nicht mehr möglich. Nachdem der Arenaboden unterkellert wurde, um Kerker, Tiergehege, unterirdische Zugänge, Bühnenmaschinerie und mehr unterzubringen, war das Fluten und Entfluten des Kolosseums nicht mehr möglich.
Die Schlacht von Salamis, die im Kolosseum nachgestellt wurde, fand zwischen den Persern und den griechischen Stadtstaaten statt. Troja hatte damit nichts zu tun.
Zeitungen sollten noch für viele Jahrhunderte nicht erfunden werden. Gab es in Rom etwas zu verkünden, schlug man große Tafeln an das Forum, vor denen sich die Römer versammeln und die Informationen lesen konnten.
In der Realität war Caracalla nicht nur der ältere Bruder, sondern wurde von den Quellen auch als herrisch und äußerst fähig beschrieben. Und als er Geta ermorden ließ, hatte der echte Macrinus nichts damit zu tun. Noch schlimmer: Der historische Caracalla tötete seinen Bruder im Beisein ihrer Mutter, Julia Domna – die im Film völlig fehlt.
Fazit: Großes Kino, kleine Geschichte
Machen wir es kurz und schmerzlos – zumindest für Historikerinnen. „Gladiator“ und „Gladiator II“ sind brillante Unterhaltungsfilme, aber miserable Geschichtslehrer. Ridley Scott interessiert sich deutlich sichtbar mehr für Pathos, Staubwolken und heroische Blicke als für das, was antike Quellen tatsächlich hergeben. Und ja, das darf Film. Aber man sollte es wissen.
Beide Filme arbeiten nach demselben Prinzip: reale Figuren, grob bekannte Ereignisse – und dazwischen sehr, sehr viel Fantasie. Marc Aurel wird zum Philosophen mit Demokratie-Träumen, Commodus zum Comic-Bösewicht, das römische Kaisertum zur quasi-erblichen Monarchie mit klaren Regeln. Wer die komplizierte, brutale und oft chaotische Realität der römischen Machtpolitik kennt, reibt sich dabei regelmäßig die Augen.
„Gladiator II“ macht dabei nichts besser, sondern eher mehr vom Gleichen. Zeitlinien werden fröhlich zerhackt, Personen leben viel zu lange oder tauchen viel zu früh auf, politische Zusammenhänge werden vereinfacht, bis sie bequem in ein Drehbuch passen. Historische Genauigkeit scheint eher optional gewesen zu sein.
Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – funktionieren diese Filme. Sie erzeugen Emotionen, Bilder, ikonische Szenen. Sie machen neugierig. Viele von uns haben nach dem ersten „Gladiator“ zum ersten Mal bewusst über Rom, Kaiser und Gladiatoren nachgedacht. Als Einstieg in die Antike sind die Filme also gar nicht so schlecht – als Quelle hingegen eine Katastrophe.
Mein Rat: Genießt die Filme für das, was sie sind – großes, lautes, manchmal herrlich übertriebenes Kino. Aber wenn euch jemand erzählt, so sei das alte Rom wirklich gewesen, dann dürft ihr sehr gerne müde lächeln. Oder, ganz römisch, den Daumen senken. 😉
(Dieser Artikel erschien zuerst am 16. Mai 2013 und wurde am 17.07.2025 komplett aktualisiert)
Quellen:
https://www.historyextra.com/period/roman/gladiator-ii-real-history-true-story/
https://en.wikipedia.org/wiki/Gladiator_II#Historical_accuracy


Ich fand den Film auch abgesehen von dem ganzen historischen Unsinn ziemlich sch…
Ridley Scott und ich werden keine Freunde. 😉
Hätte ich schlimmer erwartet.
Hallo,
Die Nummer 10. stimmt sehr wohl 🙂
Aha? Quelle? 🙂