Nordkomplotts Serientipp: Downton Abbey

Die erste Staffel von „Downton Abbey“ beginnt im Jahr 1912. Ja, genau, als die Titanic unterging, denn sie zog den Erben von Robert Crawley, dem Earl of Grantham, mit sich in den eisigen Tod. Dem Herrn des Anwesens Downton Abbey in Yorkshire waren nur nicht erbfähige Töchter geboren worden. Ein neuer Erbe muss also her. Der nächste männliche Verwandte ist Matthew Crawley, ein entfernter Cousin, der bislang kaum in höheren Kreisen verkehrt und, oh Graus, sogar einer Arbeit nachgeht. Das Leben der adeligen Familie und auch ihrer Bediensteten auf Downton Abbey wird gehörig auf den Kopf gestellt.

Nordkomplotts Serientipp: Downton Abbey

 

Spätestens seit „Das Haus am Eaton Place“ aus den 1970er Jahren haben Serien um das Leben von Adel und Dienern im frühen 20. Jahrhundert einen Platz im englischen Fernsehen, und „Downton Abbey“ knüpft nahtlos an diese Tradition an.

 

Familie Crawley

Highclere Castle, Drehort von Downton Abbey

Highclere Castle, by JB + UK_Planet, under CC BY 2.0

Robert Crawley, Earl of Grantham, ist das Oberhaupt der Familie. Seine amerikanische Frau Cora heiratete er seinerzeit wegen ihrer Mitgift, mit der er das Anwesen rettete, doch inzwischen führen beide eine glückliche Ehe. Nur ein männlicher Erbe blieb den beiden verwehrt.

Das Paar hat drei Töchter, Mary, Edith und Sybil, die sich im heiratsfähigen Alter befinden. Mary ist sich ihrer Position als älteste Tochter aus gutem Hause sehr bewusst, aber hadert damit, als Frau nicht erbberechtigt und vom Wohlwollen eines Ehemanns abhängig zu sein. Edith als mittlere Tochter wird häufig übersehen, ist eifersüchtig auf Mary und gerät sich mit dieser oft in die Haare. Sybil, das Nesthäkchen, sucht den Sinn in ihrer Existenz und setzt sich für die aufkommenden Frauenrechtsbewegungen ein.

Dann ist da noch Violet, die Dowager Countess of Grantham, Roberts Mutter. Brilliant dargestellt von Maggie Smith, bringt Violet mit der schärfsten Zunge im County immer wieder Schwung in die Adelsfamilie. Mit neuen Entwicklungen tut sie sich jedoch ausgesprochen schwer.

Matthew Crawley ist der Sohn eines entfernten Cousins von Robert und der nächste in der Erbfolge. Bisher führte er ein bürgerliches Leben und arbeitete als Anwalt. Nun muss er notgedrungen sein Leben ändern und sich in die Position als Erbe einfinden. Weder er noch einige Familienmitglieder sind damit besonders glücklich, doch strebt die Familie eine Lösung an, wie Mary doch noch zu ihrem Erbe kommen kann: Sie muss Matthew heiraten.

 

Die guten und weniger guten Geister von Downton Abbey

Damit das Leben auf Downton Abbey funktioniert, ist eine Schar an Bediensteten vonnöten. Da ist der Butler Carson, der sehr korrekt und den Traditonen verpflichtet ist, die oberste Hausdame Mrs. Hughes, die intrigante Kammerzofe Miss O’Brien, das Hausmädchen Anna, und zahlreiche weitere Angestellte, die teilweise auch im Lauf der Staffel wechseln. In der ersten Staffel kommt Mr. Bates als neuer Kammerdiener des Earls dazu – ein Kriegsveteran, der am Stock geht. Nicht alle unter den Bediensteten heißen das gut, genausowenig wie den Aufstieg des gesellschaftlichen Niemands, Matthew Crawley. Und auch untereinander wird reichlich gestichelt, angefeindet und intrigiert, doch auch zusammengehalten. In jener Zeit ist es noch normal, Biedienstete zu haben bzw. als Diener zu arbeiten, doch die Zeit steht nicht still, und so mancher will für sich mehr, als sein Leben in Diensten zu verbringen.

 

Downton Abbey: Mehr als ein Kostümdrama

Überschüttet mit Auszeichnungen, enthusiastische Kritiker und sogar ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde – „Downton Abbey“ ist nicht umsonst zu so viel Weltruhm gelangt. Es zeichnet ein fesselndes Bild einer Zeit, in der sich alte Traditionen mal schleichend, mal rasant ändern. Elektrizität, Frauenrechte, Kriege, zerbrechende Herrschaftsstrukturen – all dies beeinflusst auch jene Menschen, die das Anwesen in Yorkshire bewohnen. Dazu kommen vielschichtige Charaktere, die neben all dem Drama auch Romantik und Humor nicht vermissen lassen. Man wird gepackt, man fiebert mit, leidet mit, und man lernt dazu: Über eine Gesellschaft, die sich zwar im Umbruch befunden hat, aber die wir uns heute eigentlich in dieser Selbstverständlichkeit gar nicht mehr vorstellen können.

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