Historisch korrekt? Faktencheck „Young Victoria“

„Young Victoria“ (oder auch „Victoria, die junge Königin“) ist eine britisch-amerikanische Produktion, in der Emily Blunt in die Rolle der legendären Königin Victoria schlüpft. Erzählt werden die frühen Jahre der englischen Königin, nach der ein ganzes Zeitalter benannt wurde.

Königin Victoria bestieg 1837 mit 18 Jahren den englischen Thron, als ihr Onkel William IV. starb, ohne legitime Kinder oder lebende Brüder, älter als Victorias verstorbener Vater, zurückzulassen. Mit ihr endete die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, da sie als Frau in Hannover nicht erbberechtigt war. Sie herrschte fast 64 Jahre (die zweitlängste Herrschaft eines englischen Monarchen nach Elizabeth II.) und wurde über ihre neun Kinder die Großmutter des Großteils des europäischen Adels.

Maßgeblich beteiligt an der Entstehung von „Young Victoria“ war Sarah Ferguson, Exfrau von Prinz Andrew und Ex-Herzogin von York. Bereits während ihrer Ehe begann sich die Herzogin, für Königin Victoria zu interessieren und schrieb sogar zwei Bücher über sie. Neben ihr achtete auch Drehbuchautor Julian Fellowes, bekannt spätestens durch seine Arbeit für „Downton Abbey„, sehr auf historische Korrektheit, bis hin zu dem Punkt, dass er Jim Broadbent (König William IV.) wegen unzeitgemäßer Wortwahl rügte. Doch ist wirklich alles, was in „Young Victoria“ zu sehen ist, historisch akkurat?

  • William Lamb, 2nd Viscount Melbourne, im Film dargestellt von Paul Bettany, war historisch nicht gerade ein Mann in den besten Jahren, sondern ganze 40 Jahre älter als Victoria. Er starb bereits 10 Jahre nach ihrer Krönung.
  • Die Szene, in der der König Victorias Mutter, die Herzogin von Kent, in seiner Rede attackiert, ist recht nah an der Wahrheit (sogar der Großteil seiner Rede besteht aus dem korrekten Wortlaut), aber nicht vollständig korrekt. Die Herzogin saß direkt neben dem König, was die öffentliche Demütigung noch vergrößerte. Sie sagte kein einziges Wort, aber Victoria brach in Tränen aus, und die Tischgesellschaft war schockiert. Die Herzogin wollte gleich nach Ende des Abends abreisen, doch schließlich sahen beide Parteien ein, dass sie zu weit gegangen waren und kamen zu einem, wenn auch unsicheren, Waffenstillstand.
  • Leopold, König der Belgier, war Victorias Lieblingsonkel und ihr „bester und liebster Ratgeber“. Zu Anfang willigte sie hauptsächlich ihm zuliebe ein, Prinz Albert kennenzulernen und ihn als potentiellen Heiratskandidaten in Betracht zu ziehen. Dass beide einander sehr zugetan waren, erleichterte die Angelegenheit sicherlich.
  • Prinz Albert war nicht bei Victorias Krönung anwesend, sondern die beiden standen zu jener Zeit lediglich in Briefkontakt.
  • Prinz Albert wurde nicht bei einem Attentat auf Victoria angeschossen. Es war zwar so, dass dieses Attentat stattfand und dass er versuchte, sie zu schützen, doch er wurde nicht verletzt.
  • Ein sehr hochrangiger Zuschauer von „Young Victoria“ äußerte sowohl an der vorangegangenen Szene als auch an den im Film verwendeten Uniformen der britischen Offiziere Kritik: Königin Elizabeth II. höchstselbst (Victorias Ururenkelin) war der Meinung, die Uniformen würden „zu deutsch“ aussehen.

 

Mein Fazit zu „Young Victoria“

Historisch korrekt? Faktencheck "Young Victoria"Alles in allem bleibt „Young Victoria“ sehr nahe an der historischen Wahrheit – bis hin zu der Szene, in der Victoria gefühlt direkt von ihrer Krönung kommend ihren King Charles Spaniel Dash badet. Die Romanze zwischen Victoria und Albert nimmt natürlich einen großen Teil des Films ein, doch andererseits hat diese Beziehung auch sowohl in der englischen als auch in der europäischen Geschichte viel bewegt.

Kein Film ist perfekt, und historical fiction kann nie die Realität erreichen, doch den Machern von „Young Victoria“ war die geschichtliche Wahrheit erfreulich wichtig.


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