Nordkomplotts Serientipp: Wölfe (Wolf Hall)

„Wölfe“ („Wolf Hall“ im Original) bringt Heinrich VIII. und all die spannenden Gestalten seines Hofes zurück ins TV. Doch anders als „Die Tudors“ – bunt, laut, mit viel nackter Haut – schlägt „Wölfe“ aus der Schmiede der BBC eher leisere Töne an.

„Wölfe“ basiert auf den Romanen von Hilary Mantel und hat einen eher ungewöhnlichen Protagonisten: Thomas Cromwell, der niedriggeborene Anwalt, der es schließlich bis zum königlichen Sekretär und Lord Great Chamberlain brachte. „Wölfe“ beginnt, als Thomas Cromwell noch in den Diensten von Thomas Wolsey stand, dem Erzbischof von York und Lordkanzler. Wolsey stand einst hoch in der Gunst Heinrichs VIII., bis er es nicht vermochte, dem König seinen größten Wunsch zu erfüllen: Die Annulierung seiner Ehe mit Katharina von Aragon. Wolseys Stern sank nicht nur, er stürzte ab, so sehr Thomas Cromwell auch versuchte, den Sturz seines Herren aufzuhalten. Doch „eine Welt, in der Anne Boleyn Königin werden kann“ , bietet auch für Cromwell, den Sohn eines Schmieds,  Möglichkeiten, voranzukommen.

 

Vertraute Gesichter

Woran liegt es nur, dass so viele Schauspieler, wenn sie einmal in irgendeiner Art Kostümdrama gecastet wurden, immer wieder in Kostümen vor der Kamera stehen? Woran auch immer es liegt, „Schauspieler wiedererkennen“ ist eins meiner liebsten Hobbies geworden, und „Wölfe“ hat mir reichlich und hochkarätigen Stoff geliefert.

Zum einen findet sich ein Gutteil der Cast von „Game of Thrones“ hier wieder: Anton Lesser (Qyburn) als Thomas More, Jonathan Pryce (der Hohe Spatz) als Thomas Wolsey, Thomas Brodie-Sangster (Jojen Reed) als Rafe Sadler und Harry Lloyd (Viserys Targaryen) als Henry Percy.

Der großartige Mark Gatiss, Macher von „Doctor Who“ und ebenfalls Teil von „Game of Thrones“, „Sherlock„, und „Being Human„, ist hier als Stephen Gardiner zu sehen.

Dann haben wir Bernard Hill (König Theoden aus dem „Herrn der Ringe“) als Herzog von Norfolk. Jessica Raine aus „Call the Midwife“ spielt Jane Boleyn. Ed Speelers, einst Diener bei „Downton Abbey“ spielt Edward Seymour. Claire Foy, die hier Anne Boleyn verkörpert, spielte die rebellische Lady Persie in „Die Rückkehr ins Haus am Eaton Place“. Hauptdarsteller Mark Rylance war schon sowohl bei „Die Schwester der Königin“ als auch bei „Anonymous“ zu sehen.

Und dann haben wir Damian Lewis als Heinrich VIII. Ihn habe ich selbst bislang noch in keiner historischen Produktion gesehen, aber bereits rein äußerlich passt der Londoner sehr gut in die Rolle.  Weitaus besser auch als Jonathan Rhys Meyers, aber nunja.

Alles in allem ist die Cast einer der großen Pluspunkte von „Wölfe“.

 

„Wölfe“: Historisch korrekt?

Historisch sind sowohl Bücher als auch Serie umstritten, und das liegt vor allem an einem Umstand: Die Art, wie Thomas Cromwell und Thomas More charakterisiert werden. In den meisten fiktionalen Werken – seien es nun Romane, Serien oder Filme – wird Thomas More, der spätere Heilige, als ehrenhaft, aufrecht und moralisch dargestellt. Cromwell hingegen scheint immer irgendwie hinterhältig, opportunistisch, skrupel- und prinzipienlos. In „Wölfe“ werden beide nun ganz anders dargestellt, gerade dadurch, dass Cromwell die Hauptperson ist. Er wirkt moralischer und vor allem menschlicher, während More eher der Umsympath ist. Einige werfen „Wölfe“ daher sogar Antikatholizismus vor.

Historisch korrekt oder nicht, ich fand diese ungewöhnliche Perspektive erfrischend. Viele historische Begebenheiten und gerade Details werden nie in Gänze geklärt werden. Weicht dann einmal eine fiktionale Interpretation davon ab, was wir schon zigmal gesehen haben, bleibt aber dennoch glaubwürdig – warum nicht? Ich finde es gut, Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Ach ja, um das US-amerikanische Publikum nicht zu sehr verstören, musste ein historisch eigentlich korrektes Details unkorrekt abgeändert werden: Die in der Tudorzeit üblichen, recht überdimensionalen Schamkapseln der Herren mussten weitaus kleineren Exemplaren weichen.

Wem wird „Wölfe“ nun gefallen? Vermutlich weder eingefleischten „Tudors“-Fans noch Geschichtspuristen. Für die einen ist es zuwenig Action, für die anderen zuviel historische Freiheit. Mir gefällt es. Es ist unaufgeregt, irgendwie sehr britisch, hat klasse Dialoge, mit schönen Sets und Kostümen, und es erzählt eine Geschichte, die ich bereits gut kenne, mal aus einer anderen Perspektive.

Die ersten drei Episoden von „Wölfe“ können als Wiederholungen am 28.01. ab 0:40 Uhr auf arte geschaut werden. Episode 4 bis 6 laufen am gleichen Tag ab 20:15 Uhr.

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