Historisch korrekt? Faktencheck „Elizabeth“

„Elizabeth“: Der Film mit Cate Blanchett als Königin von England brachte zum ersten Mal seit langem die Tudorzeit zurück auf die Leinwand. Meine Begeisterung für jene Zeit war gerade erst ein paar Jahre alt, und ich war begeistert, als ich das erste Mal im Kino saß, um „Elizabeth“ zu sehen. Doch wieviel hat dieser hochgelobte Film, der sogar mit einer Fortsetzung bedacht wurde, mit der historischen Realität zu tun? Sagen wir es so: Nach dem Film war ich nicht mehr ganz so begeistert…

  • Die Reformatoren Latimer und Ridley wurden 1555 gemeinsam, aber nicht gemeinsam mit einer Frau verbrannt.
  • Als Elizabeth verhaftet wird, wird sie als Prinzessin angesprochen. Diesen Titel verlor sie jedoch bereits, als ihre Mutter hingerichtet und Elizabeth zum Bastard erklärt wurde. Auch war Robert Dudley zu jener Zeit nicht bei ihr, sondern saß wegen der Beteiligung seiner Familie am Putsch um Lady Jane Grey im Tower.

Faktencheck Elizabeth

  • Nie hätte man mit jemandem aus der königlichen Familie so geredet, wie mit Elizabeth während ihres Verhörs im Tower geredet wurde. Außerdem starb Anne Boleyn nicht, wie Elizabeth im Verhör an den Kopf geworfen wurde, wegen ihres Glaubens.
  • William Cecil, Francis Walsingham und der Herzog von Norfolk werden im Film teilweise erheblich zu alt dargestellt. Als Elizabeth Königin wurde, war Cecil 37, Walsingham 26 und der Herzog von Norfolk gerade einmal 20 Jahre alt.
  • Kat Ashley, Elizabeths engste Vertraute wiederum wird viel zu jung dargestellt. Im Film scheint sie im gleichen Alter wie Elizabeth zu sein. In Wahrheit war sie 31 Jahre älter und früher Elizabeths Erzieherin.
  • Mary I. starb nicht an ihrer angeblichen Phantomschwangerschaft, sondern erst drei Jahre später, vermutlich an Krebs.
  • Ob Elizabeths Beziehung mit Robert Dudley wirklich je körperlicher Natur war, wird ein ewiges Rätsel bleiben.
  • Maria von Guise, die Mutter Maria Stuarts, war nicht die Tante des Herzogs von Anjou, also des Erbens des französischen Königs aus dem Haus Valois. Ganz im Gegenteil waren das Haus Valois und das Haus Guise verfeindet.
  • Elizabeth schickte ihre Armee nicht nach Schottland, um Maria von Guise selbst anzugreifen, sondern um die protestantischen Lords im Kampf gegen ihre katholische Regentin zu unterstützen.
  • Bischof Gardiner, im Film der Wortführer der katholischen Partei, war bereits zu Lebzeiten von Mary I., im Jahr 1555 gestorben.
  • Henri, Herzog von Anjou, der spätere Heinrich III. von Frankreich, hat nie um Elizabeth geworben und ist ihr auch nie begegnet. Sein jüngerer Bruder Francois kam nach England, um um Elizabeth zu werben. Doch dies fand erst 1579 statt, als Elizabeth bereits 46 war. Zudem waren Henri und Elizabeth nicht nahezu gleich alt, sondern Elizabeth war 18 Jahre älter als Henri.
  • Auch wenn es viel Gerede um Henris Vorliebe für hübsche Kleider und hübsche Männer gab, weder seine Bi- noch Transsexualität sind belegt.
  • Das Gedicht „My true love hath my heart“, dass Dudley in der Barke zitiert, wurde erst mehr als 20 Jahre später verfasst und noch später veröffentlicht. Der Verfasser Phillip Sidney war zu jener Zeit noch ein Kind.
  • Elizabeth wusste, dass Robert Dudley bereits seit Jahren verheiratet war. Sie war auf seiner Hochzeit sogar zu Gast.
  • Die Angriffe englischer Piraten auf spanische Handelsschiffe fanden geballt erst unter Sir Francis Drake statt, und zwar Jahrzehnte später.
  • Die Exkommunikation Elizabeths fand erst 1570 statt.
  • Walsingham reiste nie zu Gesprächen mit Maria von Guise nach Schottland und ermordete sie auch nicht. Maria starb 1560 vermutlich an der Wassersucht.
  • Robert Dudley war nie an einer Verschwörung gegen Elizabeth beteiligt, sondern blieb ihr bis zu seinem Tod loyal. Er ist auch nie zum Katholizismus übergetreten. Auch der Earl of Sussex hat sich nie gegen Elizabeth verschworen.
  • Im Film wollte der Herzog von Norfolk als katholischer Märtyrer sterben. In Wahrheit war er Protestant.
  • Elizabeth hat William Cecil nie in den Ruhestand geschickt. Er blieb bis zu seinem Tod 1598 ihr engster Berater. Auch, als seine Gesundheit im Alter schwand, wollte sie ihn nicht gehenlassen. Sie soll ihn am Sterbebett besucht und ihn eigenhändig mit Suppe gefüttert haben. Sein Tod traf sie sehr tief.
  • Zum Ende des Films wird dargestellt, wie Elizabeth sich die Haare kurz schneiden lässt und sich mit Make-up und Perücke zur quasi gottgleichen Virgin Queen wandelt. Dieser Prozess hat erst wesentlich später stattgefunden. Zum einen, um die Spuren des Alters sowie einer überlebten Pockenerkrankung zu verstecken, zum anderen, um nach der letzten erfolglosen Werbung ihre Jungfräulichkeit zum Teil ihres Kultes zu machen.

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