Historisch korrekt? Faktencheck „Der Teufelsgeiger“

„Der Teufelsgeiger“ brachte 2013 das Leben des gefeierten Geigenvirtuosen und Komponisten Niccolò Paganini auf die Leinwand. Fachlich durchaus passend wurde Paganini vom Stargeiger David Garrett verkörpert, der auch maßgeblich zur Entstehung des Films beigetragen hat.

Musikalisch und optisch macht der Film durchaus etwas her, die Handlung könnte jedoch mehr Tiefe vertragen. Und auch in puncto historischer Korrektheit nimmt sich „Der Teufelsgeiger“ reichlich Freiheiten.

Faktencheck „Der Teufelsgeiger“

 

  • Paganini war keineswegs mittellos, als er seine Konzertreise nach London antrat. Er war seit 20 Jahren fast ununterbrochen auf Konzertreise und hatte bereits eine Menge hochpreisiger Konzerte gespielt. Er verfügte über ein stattliches Vermögen und konnte es sich sogar erlauben, Wohltätigkeitskonzerte zu geben.
  • Niccolò Paganini war 1830 längst nicht mehr so jung wie im Film. Er war 48 Jahre alt und von Krankheit gezeichnet. So hübsch wie David Garrett war er, wenn man seinen Portraits glaubt, sowieso nie.
  • Historisch korrekt? Faktencheck "Der Teufelsgeiger"Sowohl für lautstark demonstrierende Frauen als auch für Frauen, die für angesehene Zeitungen schrieben, war 1830 etwas früh.
  • Charlotte Watson war zwar Sängerin und Paganinis Geliebte, aber bei weitem nicht so talentiert wie  „Der Teufelsgeiger“ sie darstellt. In der Tat geriet Paganini 1834 während seiner Konzertreise in Belgien in die Kritik, weil er untalentierte Sängerinnen mit sich zusammen auftreten ließ. Eine davon war Charlotte Watson.
  • Entsprechend hat er sie auch nicht in London zurückgelassen, und sie hat nicht seine Einladung zu einer kontinentalen Konzertreise abgelehnt. Doch sie trat später auch allein und auch Kersting - Der Geiger Nicolo Paganiniin den USA auf. Wie alle Liebesbeziehungen Paganinis endete auch die Beziehung zu Charlotte unglücklich.
  • Die Arie „Io ti penso amore„, die Charlotte im Film singt, wurde für diesen Film arrangiert, das Stück als Ganzes ist nicht authentisch. Doch die Melodie ist dem Konzert Nr. 4 in D-Moll von Paganini entnommen, unterlegt mit Lyrics, die auf Goethes Gedicht „Nähe des Geliebten“ basieren.
  • In „Der Teufelsgeiger“ beginnt Paganini sein Londoner Konzert mit der 24. Caprice. Seine Capricen hat er jedoch nie öffentlich gespielt, denn sie waren für Studienzwecke und nicht für den öffentlichen Vorrag gedacht.
  • Das sogenannte Rampenlicht (Kalklicht) kam erst einige Jahre nach der Filmhandlung auf. Da Paganini ab 1839 keine Konzerte mehr gab, hat er wohl niemals in einem solchen Licht gestanden.

Das Grabmal Paganinis in Parma

  • Paganini schickte den Priester nicht fort, als er auf dem Totenbett lag. Er war aufgrund seines gesundheitlichen Zustands nicht in der Lage, mündlich die Beichte abzulegen (unter anderem war seine Stimme vollkommen zerstört). Deswegen wurde ihm ein christliches Begräbnis verweigert. Erst 1896 wurde er endgültig auf dem Friedhof von Parma beigesetzt, wo er bis heute ruht.

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