Die vergessenen Tudors: Arthur Tudor

In kaum einen Jungen seiner Generation wurden so viele Erwartungen gesteckt wie in Arthur Tudor. Von ihm wurde gehofft, er würde England ein Zeitalters des Friedens nach den Jahrzehnten des Bürgerkriegs bringen. Denn eigentlich war Arthur, und nicht sein jüngerer Bruder Heinrich, als Erbe des Throns Heinrichs VII., seines Vaters, vorgesehen. Ja, ganz recht, eigentlich hätte es König Heinrich VIII. aus dem Haus Tudor gar nicht geben sollen, doch das Schicksal meinte es mit Arthur Tudor nicht gut.

Arthur Tudor, die Hoffnung eines ganzen Landes

Als Arthur Tudor am 20. September 1486 zur Welt kam, war bereits seine bloße Existenz der Beweis dafür, dass die blutigen Jahrzehnte der Rosenkriege vorbei waren. 30 Jahre lang hatten sich die Häuser Lancaster und York um den englischen Thron bekämpft, und viel Blut war in Englands Boden geflossen. Erst im Jahr vor Arthurs Geburt hatte sein Vater Henry Tudor aus dem Haus Lancaster König Richard III. bei der Schlacht von Bosworth besiegt und den Thron als Heinrich VII. bestiegen. Er heiratete Elizabeth of York, die Nichte Richards III., und vereinigte so die ehemals verfeindeten Häuser.

Keine acht Monate nach der Hochzeit kam mit Arthur Tudor der Thronerbe zur Welt, und ganz England war im Freudentaumel.  Sein Name sollte Programm sein und an die Artussage, die man damals für Realität hielt, anknüpfen. Seine hochschwangere Mutter reiste sogar nach Winchester, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen. Winchester hielt man damals für das historische Camelot.

Lange wurde davon ausgegangen, dass Arthur von Kindheit an schwach und kränklich war, doch wahrscheinlich trifft dies nicht zu. Der kleine Prinz erhielt die beste Ausbildung jener Zeit, um ihn auf seine Zukunft als Englands König vorzubereiten. Und dann war natürlich seine Heirat ein wichtiges Thema. Um das politisch eher unbedeutende England an eine der großen Mächte Europas zu binden, wurde eine Vermählung mit der Tochter der katholischen Könige von Spanien, Ferdinand und Isabella, vereinbart: Katharina von Aragon.

Arthur Tudor

Heirat und Tod

Arthur Tudor war noch kein Jahr alt, als seine Ehe mit der spanischen Prinzessin, 9 Monate älter als er, vereinbart wurde. Sobald sie konnten, schrieben sie sich gegenseitig Briefe auf Latein, in denen sie sich als Mann und Frau ansprachten. 1501 kam Katharina schließlich nach England. König Heinrich VII. und sein Sohn suchten Katharina noch vor ihrem Einzug nach London auf und brachen damit jegliches Hofprotokoll. Doch die jungen Verlobten schienen einander auch beim persönlichen Kennenlernen noch sehr zugetan.

Arthur und Katharina heirateten im November des Jahres in der St. Paul’s Cathedral in London. Man hatte extra ein Podest errichtet, damit Adel und Volk sein zukünftiges Königpaar sehen und feiern konnte. Die pompösen Festlichkeiten dauerten Tage, und anschließend zogen Arthur und Katharina gemeinsam nach Ludlow, um ihr gemeinsames Leben zu beginnen. Es war nicht unbedingt üblich, dass Eheleute so jungen Alters bereits zusammenlebten, doch bei Arthur und Katharina entschied man sich dafür.

Doch bereits zu Ostern 1502 wurde Arthur Tudor schwer krank. Man ist sich bis heute nicht ganz klar, woran der junge Prinz litt. Sowohl Tuberkulose, Schweißfieber, Pest oder Hodenkrebs wurden in Betracht gezogen. Was auch immer es war, zum Entsetzen einer ganzen Nation raffte es den jungen Prinzen am 2. April 1502 dahin. Für seine Eltern brach eine Welt zusammen, und seine Mutter Elizabeth of York soll ihren Ehemann mit den Worten getröstet haben, dass sie beide noch jung genug wären, weitere Kinder zu bekommen, und dass ihnen zudem ein weiterer Sohn geblieben wäre. Anschließend ging sie in ihre Gemächer und brach unter Tränen zusammen.

 

Was Arthur Tudors Tod auslöste

Mit Arthurs Tod wurde nicht nur sein 10-jähriger Bruder Henry zum Thronerben, Katharina von Aragon wurde zudem mit gerade einmal 16 Jahren Witwe. Um das Bündnis zwischen England und Spanien aufrecht zu erhalten, wurde beschlossen, dass Henry die Witwe seines Bruders heiraten sollte. Da beide jedoch nach damaligem Recht verwandt waren, musste der Papst seine Zustimmung gegen. Zudem versicherten sowohl Katharina als auch ihre Eltern, dass sie noch immer Jungfrau wäre.

Doch zwischenzeitlich machte Heinrich VII. den Eindruck, dass er bereits das Interesse an dieser Ehe verloren hätte. Es folgten einige unschöne Jahre für Katharina, in denen sie in England verblieb, jedoch weder ihr Schwiegervater noch ihr Vater verpflichtet fühlten, für ihren Unterhalt aufzukommen und diese Pflicht dem jeweils anderen zuschoben.

Doch am 21. April 1509 starb Heinrich VII., und sein zweitgeborener Sohn folgte ihm als Heinrich VIII. auf den Thron. Der junge König machte nun Nägel mit Köpfen und heiratete Katharina nur wenige Monate nach seiner Thronbesteigung.

Doch als die königliche Ehe etwa 20 Jahre später nicht mehr glücklich und zudem thronfolgerlos war, mussten die Zweifel an Katharinas Jungfräulichkeit bei ihrer Heirat mit Heinrich als Annullierungsgrund herhalten. Unsterblich wurde die Aussage eines ehemaligen Dieners von Arthur Tudor, der im Prozess der königlichen Ehe aussagte, Prinz Arthur hätte nach seiner Hochzeitsnacht gesagt, er sei „in Spanien gewesen“. Doch wenig mehr als Hofklatsch und eine Bibelstelle (in der es untersagt wurde, die Frau seines Bruders zu heiraten) gab es zu verhandeln. Und letztlich ging es um die Wünsche des Königs, nicht um die Wahrheit.

Ob die Ehe von Arthur Tudor und Katharina nun vollzogen worden war oder nicht, ist noch immer Gesprächsthema von Historikern und Geschichtsfans. Doch so oder so kann mit Sicherheit gesagt werden, dass Englands Geschichte anders verlaufen wäre, wäre der von seinem Volk so verehrte Arthur Tudor nicht in so jungen Jahren gestorben.

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