10 Dinge, die Ihr noch nicht über den Tower of London wusstet

Her Majesty’s Royal Palace and Fortress, the Tower of London. Dies ist der offizielle Titel der beinahe ein Jahrtausend alten Feste am Themseufer, heute eins der beliebtesten Touristenziele Großbritanniens und einer der Paläste unter der Obhut von Historic Royal Palaces. Heutzutage ist der Tower vielen als Gefängnis und Hinrichtungsstätte bekannt, doch gebaut wurde er als Festung und diente auch lange als königliche Residenz. Viele Mythen und Gerüchte ranken sich um dieses alte Gemäuer, und daher will ich Euch heute ein paar Informationen präsentieren, die Ihr noch nicht wusstet, und die vielleicht auch den einen oder anderen Mythos zerstören.

10 Dinge Tower of London

„Tower of London“ by pikous – flickr.com. Licenced under CC BY 2.0 via Commons

 

10 Dinge, die Ihr noch nicht über den Tower of London wusstet:

1.) Die Bauernrevolte von 1381 konnte deswegen den uneinnehmbaren Tower of London stürmen, weil viele Yeoman Warder der damaligen Zeit ihre Aufgaben lieber an angeheuerte Jungen von der Straße delegierten. Da diese aber mit den revoltierenden Bauern sympathisierten, haben sie ihnen wahrscheinlich die Tore des Tower einfach geöffnet.

2.) Im Tower wird eine Rüstung Heinrichs VIII. ausgestellt, die im viktorianischen Zeitalter einige junge Damen zu seltsamem Verhalten trieb: Es herrschte der Aberglaube, es würde Kindersegen bringen, wenn man Heinrichs Rüstung an einer Stelle, die Männern besonders heilig ist, mit Nadeln spicken würde. Eigentümlich, wenn man bedenkt, wieviele Probleme Heinrich mit dem Zeugen von Nachkommen hatte.

3.) Auf dem berüchtigten Tower Green, auf dem heute das Schafott-Denkmal steht, wurden lediglich zehn Personen hingerichtet, zwei davon Frauen Heinrichs VIII. (Anne Boleyn und Katherine Howard) und insgesamt drei englische Königinnen (die beiden genannten sowie die sogenannte Neun-Tage-Königin Lady Jane Grey). Die eigentliche Hinrichtungsstätte lag außerhalb des Towers auf dem Tower Hill. Die, die innerhalb des Towers ihr Ende fanden, waren entweder von besonders hohem Rang, oder ihre Hinrichtung sollte diskret mit wenigen Zuschauern durchgeführt werden. Oder beides.

4.) Nicht jeder Gefangene im Tower hatte in den frühen Jahren dort ein schlimmes Leben. Als während des Hundertjährigen Krieges der französische König Johann II. als Geisel im Tower gehalten wurde, waren nicht nur die Aufwendungen für seinen Aufenthalt immens (seine Mahlzeiten wurden mit damals luxuriösen Gewürzen in großer Menge zubereitet), sondern er bekam auch die Freiheit, den Tower jederzeit zu verlassen. Er gab sogar ein Bankett für den englischen König, in dessen eigener Festung.

5.) Kaum eine der Kronjuwelen, die im Tower of London aufbewahrt werden, ist älter als 350 Jahre. Als Charles I. nach dem englischen Bürgerkrieg hingerichtet und die Monarchie abgeschafft wurde, wurden auch die Symbole seiner verhassten Herrschaft zerschlagen, eingeschmolzen und verkauft. Einige der Gegenstände stammten noch aus der Zeit vor der Eroberung durch die Normannen. Nur der mindestens 800 Jahre alte Krönungslöffel hat überlebt. Zudem zwingen die Kronjuwelen die mit ihrer Pflege beauftragten Angestellten zur Nachtarbeit, denn nur außerhalb der Öffnungszeiten des Towers dürfen sie aus ihren Schaukästen genommen werden.

6.) Charles II. verfügte, dass der Tower of London immer sechs Raben beherbergen müsse, denn ansonsten würde laut einer Sage das Königreich untergehen. Zur Sicherheit gibt es heute sieben bis acht. Wissenschaftler sind sich jedoch nicht ganz sicher, ob diese Geschichte nicht, wie so vieles, der viktorianischen Fantasie entsprang.

7.) Der Duke of Wellington war ab 1826 26 Jahre lang Constable des Tower of London und führte das System, wie die Yeoman Warder ernannt werden, ein, das noch heute praktiziert wird. Zuvor konnten Yeoman Warder ihren Posten einfach verkaufen, wenn sie in Rente gingen. Nun müssen es langjährige und verdiente Militärangehörige mit weißer Weste sein.

8.) An einem Wochenende im Jahr dürfen Hobby-Archäologen im Themseufer am Tower während der Ebbe nach Überbleibseln aus einem Jahrtausend Tower-Geschichte stöbern.

9.) Die Yeoman Warder arbeiten nicht nur im Tower of London, sondern wohnen mitsamt ihren Familien auch dort. Es gibt einen eigenen Arzt, Postservice und natürlich einen Pub.

10.) Die „Ceremony of the Keys“ ist das jahrhundertealte Ritual, mit dem jeden Abend um 22 Uhr der Tower für die Nacht verschlossen wird. Es ist wohl die längste, ununterbrochene Zeremonie der Welt und begann wohl unter der Herrschaft Edwards III. im 14. Jahrhundert. Dieser kam eines Nachts im Jahr 1340 am Tower an und fand die Tore, entgegen seines Befehls, unverschlossen vor. Er warf daraufhin alle Zuständigen ins Gefängnis. Im zweiten Weltkrieg wurde die Zeremonie das einzige Mal unterbrochen, als einige Bomben den Tower trafen. Der wachhabende Offizier entschuldigte sich daraufhin schriftlich bei George VI., dass die Zeremonie verspätet stattfand, und der König verfügte, dass keiner der Beteiligten bestraft werden solle.

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